Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 — Gesprächs niedergeschrieben war, ist gleichzeitig mit der Uebersetzung erschienen. Tobias Feder hatte noch vor deren Erscheinen von Lewins Vorhaben erfahren und wollte nun gegen die Uebersetzung der Bibel ins Jiddische vor allem prinzipiell auftreten. Er wählte den Weg des satirischen Pamphlets. Dieser Kampf trug aber einen ausgesprochen persönlichen Charakter. Schon zu Beginn der Haskalabewegung kam es zu einem Wettstreit zwischen zwei Städten über die Führerrolle. Brody und Tarnopol rivalisierten gegenseitig, eine jede von diesen Städten kämpfte um den Ruhm, in der Haskalabewegung die führende geistige Rolle zu spielen. Nun bot sich ja die beste Gelegenheit dar, gegen den Brodyer * Kreis, der das Geisteskind Lewins war, aufzutreten. Der Kampf gegen Lewin war also zum grossen Teil gegen Brody als den Hauptsitz der Haskalabewegung gerichtet. Feders persönliche Gehässigkeit gegen Lewin lesen wir aus folgenden Zeilen heraus: „Mit Eitelkeit hast du deine Zeit verbracht, hast die schönen Kleider ausgezogen und statt ihrer Fetzen angezogen." Schon der Titel selbst bezeichnet den Zweck des Pamphlets. In dem Pamphlet treten Mendelssohn, Hirz Wesel, Isak, Euchel, Joel Brill und Bensew auf, nur Mendel aus Satanow fehlt. Darauf bewegt sich das Gespräch um seine Person. Wesel schildert ihn als einen gelehrten Mann. Im weiteren Verlauf des Gesprächs bemerkt Mendelssohn in der Hand des hebräischen Grammatikers Bensew ein Buch. Auf seine Frage, was das sei, antwortet er ihm, dass dies eine deutsche Uebersetzung der Proverbia sein will, tatsächlich ist sie aber in einer Mischsprache niedergeschrieben, die uns der Welt gegenüber herabsetzt. Der Verfasser sei kein Geringerer als Mendel Satanow. Hierauf liest er einige Stellen daraus vor, um zu illustrieren, wie hässlich diese Sprache klingt. Nachdem alle versammelten Maskilim ihre Entrüstung gegen Satanower zum Ausdruck gebracht, stimmen alle darin überein, dass Lewin Mendelssohn und seinen Lehrern gegenüber treulos gehandelt habe. Kaum hatte Feder dies Pamphlet ausgearbeitet, so schickte er ein geschriebenes Exemplar nach Brody, wo es bei den dortigen Maskilim Entrüstung hervorrief . Man musste dagegen auftreten. Einer der eifrigsten Schüler Lewins J. S. Byk übernahm die Verteidigung seines Meisters. Jakob Samuel Byk2), ein Abkömmling der vornehmen Brodyer Familie Byk, war ein eigenartiger Typus. t) Von der er noch in dem Vorworte zu seinem Buche .„Refuoth am", das im Jahre 1784 erschienen ist, spricht Dann übersetzte er die Psalmen und das Hohelied, die aber ebenfalls nicht gedruckt wurden. 2) Byk starb an der Cholera in Brody am 9. Siwan 1831 (5591). Markant ist die Inschrift seines Grabsteines (Nr. 80 unserer Epitaphiensammlung). Siehe über ihn das feinsinnige Essay von A. M. Lipschütz im Jahrbuch Chermon hgb. von G. Bader, Jg. 1903, S. 80—84.