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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 2 (1914) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
2 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 50 (sequence 18)
Language
German
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— 50 — doch Brody als Handelsstadt, die mit Deutschland und England in engem Kontakte stand, der geeignete Platz, sich leicht der Europäisierungsbewegung der Juden anzuschliessen. In jener Zeit waren ja schon die vornehmen jüdischen Patrizierfamilien wie Byk, Kallir u. a. europäisch gebildet und Anhänger der Haskalabewegung. Aber dank Lewins Popularisationstätigkeit ist Brody zu einem Hauptstützpunkt der Haskala, nicht nur in Galizien, sondern von ganz Osteuropa geworden. Zu Lewins Jüngern zählten unter anderen der Kahalssekretär Beer Ginzburg1), J. S. Byk, Rapaport, Krochmal, denen die Rolle zufiel, die Führung über die galizisch-russische Aufklärungsbewegung zu übernehmen. So bildete sich eine Art jüdisches Kulturzentrum, das sich ganz in der Haskala auslebte. Lewin aber war der erste, der zu diesem neuen Geistesleben den Impuls gegeben hatte. Bald sollte dieser noch junge Maskilimkreis einen grossen in seinem ganzen Wesen theoretischen Kampf führen. Im Jahre 1813 (5573) eröffnete Lewin mit der Veröffentlichung der jüdischen Uebersetzung von „Mischle" (erschienen zu Tarnopol) seine geplante Uebersetzung der heiligen Schrift ins Jiddische. Denn ausser dem genannten Buche hatte ,er die Uebersetzung des Buches Koheleth2) handschriftlich fertiggestellt. Gleich nach dem Erscheinen dieser Uebersetzung erhob sich seitens einiger Aufklärer ein heftiger Sturm gegen Lewin. Einer der besten hebräischen Stilisten dieser Zeit, Tobias Feder, verfasste sogar ein Pamphlet, in dem Lewin verspottet wurde. Dieses Pamphlet „Qol mechozezim", das in Form eines dramatischen J) Letteris behauptet in seinem „Toledoth R. N. K.[rochmal]", gedruckt in der hebräischen Beilage zum „Centraiorgan", Jahrgang 1848, S. 4, daß M. Satanower in Brody den bekannten jüdischen Gelehrten, Mendeissohn's Lehrer Israel aus Zamosc kennen gelernt habe. Das ist ausgeschlossen, denn Satanower weilte in Brody bei seiner Rückkehr aus Berlin um das Jahr 1783 und dann um das Jahr 1800, Israel aus Zamosc aber ist im Jahre 1772 gestorben. Im Pinax des alten Friedhofes zu Brody lesen wir folgende Notiz (Z. 76): Am 1. Zwischentage des Pesachfestes 5532 (= 1772) starb der Rabb. Israel, Verfasser des „Nezach Jisrael" usw. Von besonderem Interesse ist die Inschrift seines Grabsteines (Nr. 120 unserer Epitaphiiensammlung): Hier ruht usw. der Rabb. Israel . . . Sohn unseres Lehrers Mosche, des Leviten, gest. am 17. Nisau 5532. 2) Dow Beer Ginzburg, geboren im Jahre 1776, war ein Liebling des Alexander Kallir (Grätz Geschichte der Juden, Band XI, S. 114), der ihm die Möglichkeit gab, sich ganz dem Studium zu widmen. Später wurde er Sekretär der Brodyer Judengemeinde. Ginzburg schrieb sehr wenig, nur einige Gedichte in Hameassef (1819):Bikkure ha-ittim und eine Einleitung zu M. Ch. Luzzatos: Leschon limmudim u. d. T. AI darke hamelizah, das in Lemberg im Jahre 1810 erschienen ist. Er ist in Brody im Jahre 1811 (7. Adar 5571) gestorben [und nicht 1821, wie es David Maggid in seinem „Sefer Toledoth mischpachath Ginzburg", St. Petersburg 1899, S. 73 schreibt. (Pinax des Brodyer Friedhofes Z. 182)].

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