Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 39 — Gründen, sondern lediglich, weil diese die einzige Lektüre bildet, welche in ihrer Sprache verfasst ist. Einen Zweig der persischen Juden bilden ferner die syrisch sprechenden Juden im sogenannten „Kleinpersien" (Paras katan). Sie wohnen teils im nordöstlichen Teil Persiens, im Gebiete des Urmiasees, teils im angrenzenden türkischen Gebiete im nördlichen Mesopotamien, in der Gegend von MossuL Bereits Benjamin aus Tudela berichtet über diese Juden, dass sie aramäisch sprechen, dass sie noch ein Ueberbleibsel der zehn Stämme sein sollen und dass ihre Zahl etwa auf fünfundzwanzigtausend Seelen sich belaufe.1) Sie leben meist in den Dörfern, sind Handarbeiter oder Handwerker, einige Kaufleute. Geistig stehen sie nicht viel höher als die persischen Juden. Ihre Gelehten beschäftigen sich hauptsächlich mit der Kabbala und beherrschen die hebräische Sprache sehr gut. Einer ihrer Chachamim, Jaakob ben Mordechaj,2) der seit einiger Zeit in Jerusalem lebt, versicherte mir, dass Israel nur dann erlöst werde, wenn das ganze Volk anfangen wird, Hebräisch zu sprechen. Das interessanteste an ihnen ist wohl ihre Sprache, die sie „Targum", d. h. Aramäisch, nennen. Tatsächlich hat sie einen beträchtlichen aramäischen Bestandteil, ist aber sonst aus Kurdisch, Persisch, Hebräisch und Arabisch zusammengesetzt, also ein Jargon. In diesem Jargon haben sie viele Legenden und Volkserzählungen, die zum Teil auch bei den anderen orientalischen Juden anzutreffen, zum anderen Teil aber originell sind. Wir geben hier einen Abschnitt aus einer solchen Erzählung in Transkription. Diese Erzeugnisse haben alle epische Form, Metrum und Reim. Maase tefikla beachrit lamsa, berabbi pinchas nascha kdrscha, cha nascha schpira chassid ham wele, mare dolta ruwa chazena hitwale, ham chacham ruwa minaschit midrasch, mitorajeu jalpe magon awrischim bechosch, kulu nchosche gdeniwa geben, kulwalu naschau mradit üben, daewa kam ilha nachosch bassimwa, bara o nchosch ilbarjana pazinwa, manit hawemale cha matlab kwita, daewa haken dua schpirta, o hachtit hargis jala la hawela, bechatrit ajdo ilha matcharwala, *) Vgl. über ihre Sprache usw. meine Abhandlung in der hebr.. Monatsschrift „Haschiloach", Band 29, Heft 2—6 ff. 2) Interessant ist, dass die Namen Mordechaj und Ezra sowie Esther bei den persischen Juden am häufigsten vorkommen. Dagegen ist Nechemja nur sehr selten vertreten.