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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 2 (1914) · p. Seite 38

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
2 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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— 38 — Der nordpersische Typus ist dem der babylonischen Juden ähnlich. Schlanke Gestalt, kräftiger, schwarzer Haar- und Bartwuchs, dunkle Hautfarbe, kleine Stirn und aufrechte Haltung. Allem Anscheine nach sind die Judew Nordpersiens aus Babylonien eingewandert. Die Umgangssprache der persischen Juden ist Persisch, mit hebräischen Brocken gemischt, also eine Art Jüdisch-persisch. Im Schreiben bedienen sie sich hebräischer Lettern, und es ist selten der Fall, dass jemand Persisch in der persisch-arabischen Schrift lesen kann. Den persischen Juden örtlich und sprachlich nahestehend sind die Bucharaer Juden. Aber nur in diesen beiden Dingen stehen sie sich nahe, denn typisch haben die bucharaer Juden viel Mongolisches. Auch ist ihre geistige Veranlagung nichtjüdisch. Obwohl sie streng gesetzestreu sind, — denn sie legen auf den geringfügigsten Minhag (Brauch) dasselbe Schwergewicht wie auf die Qrundelemente der Religion, — geht ihnen doch das echt jüdische Empfinden und das Bewusstsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Stamm völlig ab. Als Beleg diene der folgende Umstand. Seit längerer Zeit begannen die bucharaer Juden sich in Jerusalem niederzulassen. Sie gründeten daselbst eine reichangelegte Kolonie und führten Prachtbauten auf, wie sie sonst in Jerusalem nicht vorkommen. Jeder bucharaer Jude hält es für eine religiöse Pflicht, ein Haus in der heiligen Stadt zu besitzen. Er schickt einige Mitglieder seiner Familie hin, das Haus zu bewohnen, und kommt selbst zu einem der Feiertage, gewöhnlich am Pesach oder Schowuot hin. Niemals aber ist es vorgekommen, dass ein bucharaer Jude irgend eine Spende für einen wohltätigen Zweck der vielen in Jerusalem so schwer leidenden Armen gegeben hätte. In Zeiten von Epidemien und Krisen, die über Jerusalem hereinbrachen, haben die Bucharaer nie Herz und Gefühl für ihre leidenden jüdischen Stammes- und Glaubensgenossen gezeigt. Sie gründen Talmudschulen nur für sich und erlauben nicht anderen Juden, am Unterricht teilzunehmen, obwohl sie sich nur nichtbucharischer Chachamim und Gelehrten bedienen, da sie selbst, trotz redlicher Mühe, es doch nicht so weit gebracht haben, Talmudgelehrte aus eigener Mitte hervorzubringen. Das innere jüdische Leben, wie* das nationale Erwachen, die kolonisatorischen und kulturellen Arbeiten in Palästina, lassen sie ganz kalt. Für sie existiert nur Jerusalem und dieses nur als heilige Stadt, als Stätte des Bethamikdasch" (des Tempels), ebenso das Grab Raheis und die „Meorat Hamachpela", die Gräber der Erzväter in Hebron; das übrige Palästina geht sie absolut nichts an. Kein einziger bucharischer Jude hat Neigung, sich in Palästina ausserhalb Jerusalems in einer Kolonie oder sonstwo niederzulassen. Das einzige Gute, was sie für die jüdische Kultur leisten, ist die Drucklegung der jüdisch-persischen Literatur, nicht aus idealen

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