Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — bis einmal dieses Capital wird eingezogen und auf einen sicheren Platz gestellt sein wird, und daher den armen Verwandten zu kurz geschehen ist und auch weiter geschehen dürfte; und daher bin ich gezwungen, ihren Schaden dadurch zu ersetzen, dass ich diese Stiftung von dem fünften Theile meines ganzen Vermögens mache. Dieses ist eine Ursache, und dann wird dadurch der Wille Eurer Mutter, meiner seeligen Gattin L e a h, erfüllt, nämlich in ihrem Testament durch die zehn Prozent, die sie von ihrem Vermögen stiftete, und eben deswegen habe ich beiderlei Verwandte gleich gestellt in Hinsicht der Zinsenvertheilung, wie im zweiten Testament erklaert ist, weil meine seelige Gattin ihren Verwandten ein Sechstel weniger als meinen Verwandten vermacht hat. Durch diese Gleichstellung ist da ersetzt, was dort mangelt, und entsteht nur der Vortheil daraus, dass die Verwandten dadurch mehr bekommen. Daher verzeihe ich Euch auch nicht, wenn Ihr nicht haltet und erfüllet, was ich heute Euch befehle, nämlich das Obengesagte für mich zu thun. (Forts, folgt) Bücherschau. Priluzki, Noah, JidischeVolkslieder. B. I. XVI u. 159 S. 8°. Warschau 5671, Verlag: Bicher fir alle. Bd. IT, 176 S. Sc, Warschau 5673 Najer Verlag, ä 0,85 Rub. — Als ein bedeutsames Resultat des unverkennbaren Aufschwunges der jidischen Literatur ist das verdienstvolle Unternehmen des bekannten jüdischen Schriftstellers N. Priluzki zu betrachten, endlich einmal das allmählich verlorengehende folkloristische Material zu sammeln, das auch unter den russischen Juden nicht minder schöne Blüten aufzuweisen hat als bei irgend einem anderen Volk. Und wenn ein Beweis dafür nötig wäre, so könnte kein besserer erbracht werden als die Herausgabe dieser zwei Bändchen „Jidischer Volkslieder4'. Wie gross das Werk angelegt ist, ist daraus zu ersehen, dass das erste Bändchen nur einen Teil der religiösen, während das zweite Bändchen Lieder vom Tode sowie Balladen und Legenden bringt, zusammen in 197 Nummern. Die bisherige Literatur ist überall berücksichtigt, auch sind diese „Mitteilungen44 gründlich ausgenützt. Wo es angeht, sind vergleichende Rückblicke aus der Weltliteratur eingestreut. Auf Einzelheiten einzugehen verbietet der Raum, jedoch möchte ich noch auf .die vielen wichtigen s.pracl^wissenschaftliclien Bemerkungen aufmerksam " machen. Auszusetzen ist nur,': dass die Lieder nicht auch in lateinischen Zeichen transkribiert sind, so dass dem Nichtjuden die Ausnützung des schönen Materials fast vollkommen verschlossen ist. Dies fällt besonders auf bei d^n Balladen, die meistens allgemein europäische Motive behandeln, darunter auch das vom verhungerten Reichen in der für den Juden selbstverständlichen Gestalt Rothschilds. (B. II, S. 149, s. auch Mitt. 1913, S. 8.) S. Weissenberg. Priluzki, N., Samelbicher ior jidischen Folklor, Filolog i e u n Kulturgeschichte. B. I. 180 S. 8°. Warschau 1912. Najer Verlag. 0,85 Rub. — Der vorliegende Band enthält sehr viel Interessantes.