Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 13 — Das Testament Wolf Wertheimers.1) Samuel Wertheimer, der Sohn Wolf Wertheimers, und sein Neffe und Vetter David, der Sohn Josel Wertheimers und Enkel Simson Wertheimers, treffen im Verein mit Isak Kann, der zugleich die beiden Söhne Löb Wertheimers vertritt, und Isak Seligmann 1770 Bestimmungen über Wolf Wertheimers Legat, das als Schulbeispiel eines jüdischen Vermächtnisses grossen Stiles dienen kann. Der edle Simson Wertheimer, der Aeltere, hatte, für die Klaus in Frankfurt a. M. und die Unterhaltung je eines Lehrers zu Hamburg, Eisenstadt und Nikolsburg, sowie für die deutschen Juden in Palästina und vor allem für arme Anverwandte zu sorgen, den Seinen als heiliges Vermächtnis hinterlassen.2) Nach seinem Tode hatten seine Erben in diesem Sinne eine Familienstiftung von 150 000 f. errichtet, Wolf Wertheimer, als erstgeborener Sohn und somit Erbe des doppelten Sohnesanteils mit 60 000 f., Löb und Josel mit 30 000, die Schwiegersöhne Seligmann Cohen und Moses Kann mit je 15 000 f. Die Verwaltung war Wolf übertragen worden. Durch seine unglückliche Verbindung mit Baiern hatte Wolf sein ganzes Vermögen eingebüsst. Die Papiere trugen 1725—55 nur 4%, er sollte nach dem Stiftungsstatut 6% zahlen. So war es ihm seit 1733 nicht möglich gewesen, mehr als die Hälfte, also 75 000 f., zu verzinsen. Die Juden Palästinas hatten von 1733—55 gar nichts erhalten. 1753 hatte endlich Kurfürst Maximilian III. Josef Wolfs Forderung liquidieren lassen und dieser alles Versäumte nachzuholen sich bemüht. In seinem Testament von 1762 hebt er ein früheres von 1735 auf und ermahnt er seine Kinder — drei waren ihm bereits gestorben —, das Stiftungskapital nicht allein zu erhalten, sondern auch bei jeder Gelegenheit es zu mehren zu suchen, vor allem die Gläubiger, Christ oder Jude, pünktlich zu befriedigen und gegen jedermann mit Liebe, Treue und Friedfertigkeit zu verfahren. Er erwartet die Bestätigung seines letzten Willens durch die kaiserliche Regierung, indem er sich auf die Dienste beruft, die sein Vater 50 und er selbst 25 Jahre lang dem Hause Habsburg geleistet haben. Als nach seinem Tode sich neue Schwierigkeiten zeigten, das Zinsenerträgnis, das die Stiftungen erforderten, aus dem Stiftungskapital zu erzielen, entschlossen sich die Erben, dieses entsprechend zu erhöhen. Testament3) des seeligen Herrn Wolf Wertheimber4), ältesten Sohnes des k. k. *) Eigentlich „Wertheimber". Doch ist die Schreibung ohne b üblich geworden. 2) Vgl G. Wolf, Joseph Wertheimer S. 337, u. D. Kaufmann im Jahrbuch „Jerusalem" IV. 3) Abschrift eines Manuskriptes im Besitz des Herrn L. E. Wertheimber, Wien, dem wir für sein freundliches Entgegenkommen an dieser Stelle bestens danken. 4) Ueber ihn vgl. Kaufmann, Samson Wertheimber, 80ff.; über das Testament, das. S. 109 f, jetzt auch Grunwald, Sam. Oppenheimer, Index.