Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 8 — bei den jemenitischen Juden, sondern auch bei den Arabern, und sogar beim Imam selbst. Saphir erzählt Einzelheiten über Iraki und seine Taten, unter anderem, dass er den Stammbaum der Juden Sanaas verbrannt habe. Der Stammbaum soll nachgewiesen haben, dass die Juden in Sanaa reinjüdischer Abstammung seien, und zwar von den zehn Stämmen Israels, dagegen sollen die jüdischen Dorfbewohner Jemens mit den Arabern sich vermengt haben. Als Ahron Iraqi für seinen Sohn eine Frau aus der jüdischen Bevölkerung Sanaas nehmen wollte, wurde es ihm verweigert mit der Begründung, dass sie sich nur mit reinjüdischen Abkömmlingen verheirateten. Darüber aufgebracht, liess Iraqi ihren Stammbaum verbrennen mit der Bemerkung, dass alle Israeliten adliger Herkunft seien. Indessen soll sich ein Familienstammbaum in der Familie „Al-schech", wie einige Mitglieder derselben mir erzählten, erhalten haben.1) Damit noch nicht zufrieden, beschloss Iraqi, den uralten Ritus und die herkömmlichen rituellen Gebräuche der Jemeniten auszurotten und den sefardischen Ritus einzuführen, damit die Jemeniten von ihren Glaubensgenossen sich nicht mehr absondern sollten. Zu diesem Zwecke baute er eine grosse Synagoge, die noch bis heute erhalten ist, und führte in ihr den sefardischen Ritus ein, der „Nusach Schami" — palästinensischer Ritus — genannt wurde, in Gegensatz zu dem jemenitischen Ritus, welcher „Nusach beledi" — lokaler Ritus — hiess. Da aber Iraqi die ganze Gemeinde, in der er bald Anhänger fand, zum sefardischen Ritus bekehren wollte, so forderte er das Rabbinat auf, den sefardischen Ritus offiziell anzuerkennen. Diese Forderung führte zu Feindseligkeiten und Zwistigkeiten zwischen ihm und dem damals in Sanaa als Oberrabbiner fungierenden Rabbi Zalach, der hartnäckig die von den Urahnen überlieferten Gebräuche verteidigte.2) Als Iraqi sah, dass er so nichts ausrichten würde, wandte er sich an den ihm wohlgesinnten Imam, der dem Oberrabbiner auch sogleich befahl, densefardischenRitus anzunehmen. Dieser fürchtete aber Gott mehr als den König und befolgte dessen Gebot nicht, worauf er eingesperrt wurde. Selbstverständlich liess die Gemeinde ihren geliebten und göttlich verehrten Rabbi nicht lange im Kerker schmachten und löste ihn für schweres Gold aus. Da entspann sich erst recht ein heisser Kampf, der bis zum Ableben Ahron Iraqis dauerte. 3) Wie die Jemeniten versichern, soll ein altes Archiv in Sanaa sich befunden haben, welches viel geschichtliches Material über die Juden Jemens enthielt, dieses wurde bei der Vertreibung der Juden aus Sanaa verbrannt. 2) Rabbi Zalach sowohl als sein Enkel haben bezüglich der Unterschiede des jemenitischen Ritus vom sefardischen mehrmals Anfragen an das Rabbinat in Kairo geschickt, letzteres antwortete ihnen, dass sie ihre überlieferten Gebräuche usw. beibehalten sollten. Vgl. Taklal I. Komm. 92a.