Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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_ 7 — nahmen. Als die Jemeniten hineinsingen sollten, wandten sie sich an das Rabbinat mit der Frage um Erlaubnis. Das Rabbinat erlaubte ihnen nur solche Gesänge ins Grammophon zu singen, die nicht kabbalistischen Inhalts sind. Kabbalistische Lieder durften nicht hineingesungen werden, da nicht sicher, ob nicht etwa das Grammophon von unreinen Geistern inspiriert wäre. In derselben Woche, in der zwei Sänger hineingesungen hatten, starb die Frau des einen und ein Kind des anderen Sängers. In derselben Woche träumte der Oberrabbiner, dass diese beiden Sänger kabbalistische Lieder in meinem Hause in den Apparat hineinsängen, und gleichzeitig wurde ihm im Traume der Ausbruch einer Epidemie angekündigt. Alsbald liess er die Sänger rufen und beschwor sie, die Wahrheit zu sagen. Die Armen gestanden, kabbalistische Lieder hineingesungen zu haben. Nun versammelte der Oberrabbiner alle Sänger in der Synagoge, und vor geöffneter heiliger Lade beschwor er sie, niemals mehr ins Grammophon hineinzusingen und überhaupt so wenig als möglich zu singen. Drei Hauptfamilienfeste kennen die Jemeniten in ihrem Leben: die Beschneidungs-, die „Bar-Mizwa"- und die Hochzeitsfeier. Diese Festlichkeiten werden mit grossen Umständen und unter vielen Zeremonien veranstaltet. Die Beschneidungs- und Hochzeitsfeiern sind auch bei den Mohammedanern reich ausgestattet. Diese Festlichkeiten hat Saphir in seiner Reisebeschreibung eingehend beschrieben.1) Der JemenitenKleidung ist sehr dürftig, gewöhnlich nur ausHemd und Talit-katan bestehend. Im Winter kommt noch ein Ueberrock dazu. Auf dem Kopfe tragen sie einen Tuchfetzen. Gewöhnlich gehen sie barfuss, bei grosser Kälte tragen sie die pantoffelartigen arabischer? Schuhe. Die bessersituierten Jemeniten tragen einen Rock mit Silberknöpfen aus Münzen. In ihren rituellen Gebräuchen unterscheiden sie sich vielfach von den anderen orientalischen Juden. Wiederholt versuchten sefardische Immigranten bei den Jemeniten den sefardischen Ritus einzuführen, jedoch gelang es ihnen nur teilweise. Ueber einen solchen Fall lebt im Volke folgende Geschichte: Vor etwa zweihundert Jahren kam nach Sanaa ein reicher Jude aus Aegypten, Ahron Iraqi oder Araqi.2) Durch seinen Reichtum und seine Intelligenz erwarb er sich grosses Ansehen nicht nur *) Eben Sappir I, Lyck 1866, Kap. Jemen. 2) Der Name Iraqi deutet auf Südmesopotamien hin, Araqi aber ist eine Ortschaft in Aegypten. Indessen ist die richtige Etymologie unentschieden, da der Name mit arabischem Ain einen unbestimmten Vokal wiedergibt.