Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4 - veröffentlichte in Kalkutta ein Jemenite, Eleazar Jraqi, eine hebräische Liedersammlung jemenischer und syrischer Dichter (siehe weiter unten). Der Aussenwelt wurden die jemenitischen Juden zunächst durch Niebuhr bekannt, der sie in seiner Reisebeschreibung1) kurz erwähnt. Der eigentliche Entdecker der Jemeniten aber ist Jakob Saphir aus Jerusalem, der Jemen 1858—1860 bereiste und eine eingehende Beschreibung ihrer sozialen und kulturellen Lage wie auch ihrer Sitten und religiösen Gebräuche in seinem hebräisch verfassten Werke „Eben Sappir", Lyck 1866, veröffentlichte. Seitdem sind die Juden Jemens und vorzüglich ihre Literatur und Handschriften wiederholt untersucht worden. Derenbourg gab eine jementische Grammatik des Hebräischen heraus.2) Steinschneider,3) Neubauer,4) Bacher5) u. a. beschrieben eingehend ihre handschriftlichen Gebetbücher und Liedersammlungen. Soweit die geistigen Produktionen der Juden Jemens schriftlich den Forschern zugänglich waren, wurden sie bereits wissenschaftlich beleuchtet. Einige Gebiete blieben aber noch vollständig unbekannt, ihre Musik, ihre Folklore und ihre geistige Veranlagung. Die Jemeniten sind durchaus schwärz. Der Haar- und Bartwuchs ist bei einem Teil struppig, negerartig, bei anderen glatt und spärlich. Diese zwei Haartypen finden sich auch bei den Abessyniern und mitunter auch bei den jemenitischen Arabern. Der Bartwuchs ist in der Regel kurz; lange Vollbarte kommen nur selten vor. Der Körperbau ist klein und schmächtig, die Gliedmassen unsymmetrisch. Das Auge ist tief schwarz, der Blick lebhaft. Sie sind zum Teil Handwerker, hauptsächlich Gold-, Silber-, Kupferschmiede. Zu diesem Handwerk brachte sie der Umstand, dass die jemenitischen Araber jedes Handwerk als eine eines „Gläubigen" unwürdige Beschäftigung betrachten. Da sie nun dem Luxus, wie alle Araber, huldigen, so sind es die Juden, die ihre Reliquien, Amulette, Ohr-, Nasen- und Fingerringe produzieren. Die Juden sind sogar ihre Münzpräger. Aber auch zur Verrichtung niedriger Arbeiten werden die Juden herangezogen, oft gezwungen. So sind die Juden die Kehrichtführer, die Totengräber usw Die Jemeniten besitzen ein gutes Auffassungsvermögen und lernen sehr leicht. Auch haben sie künstlerischen Sinn, wie ihre Silberarbeiten aus älterer Zeit beweisen. *) Reisebeschreibung, Kap. Jemen, Kopenhagen 1772. 2) Manuel du Lecteur, Paris 1871. 3) Im Katalog der Bodleiana, Verzeichnis d. hebr. Handschriften etc. 4) J. Q. R. III, 228. 5) Der südarabische Siddur in J. Q. R. 1902. Ein hebr.-arab. Liederbuch. Budapest 1910.