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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 1 (1914) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
1 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 3 (sequence 4)
Language
German
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— 3 — Babylonien entfernt worden waren, suchten sie doch nach Möglichkeit das nationale Band mit dem jüdischen Volkskörper in Kraft zu erhalten, indem sie sich die Kulturgüter des Volkes aneigneten und die geistige Entwicklung der jüdischen Zentren, rege verfolgten. Sie ordneten sich den rituellen und sittlichen Bestimmungen der Talmudakademien in Palästina und Babylonien unter und nahmen sogar in Spanien und Deutschland entstandene religiöse Einrichtungen an.1) Seitdem hat sich ihre Lage äusserlich kaum geändert. Verfolgung und Unterdrückung waren ihr Los, wie wir es gelegentlich zur Zeit Maimunis (1170 v. Chr.) erfahren.2) Auch ihr geistiges Leben scheint unter dem sozialen Drucke gelitten zu haben, denn sie waren immer von den jüdischen Autoritäten in Babylonien abhängig, und nur vom sechzehnten Jahrhundert an beginnt bei ihnen eine Periode produktiver Tätigkeit, wahrscheinlich durch den von den jüdisch-spanischen Emigranten in Palästina neu belebten Geist der Kabbala angeregt, wie wir dies weiter unten näher beleuchten werden. Für kurze Zeit war Jemen mit dem türkischen Reiche verbunden. Aber der Zusammenhang hörte infolge der Aufstände bald auf, und wieder wurde Jemen für den übrigen Orient verschlossen. Den Juden verbot man, das Land zu verlassen, ein Verbot, das erst vor etwa dreissig Jahren aufgehoben wurde* was zur Folge hatte, dass seitdem ein unaufhörlicher Strom jüdischer Emigranten alljährlich das Land verliess, um nach Egypten, Indien und hauptsächlich nach Palästina auszuwandern.3) lf^i Hillen C7iii eigenluniiivjiicö juuist;ric;5 j^cdcti mic Ktrrrcrrexren werten aus, andererseits haben sich bei ihnen manche alten Qeistesgüter erhalten, die für die Erforschung der orientalisch-jüdischen und speziell der althebräischen Kultur von grosser Bedeutung sein können. Die jemenitischen Juden in der Provinz Aden wrurden vom Schicksale begünstigt. Denn seit der Annexion Adens durch England (1839) gemessen sie volle Freiheit. Viele von ihnen siedelten sich in Eryträa, Gibraltar, Bombay und Kalkutta an. Bereits im Jahre 1842 ') Hierin unterscheiden sich die jementischen Juden von den Falaschas in Abessynien, welche, obwohl sie einem jüdischen Zentrum, wie dem egyptischen, ziemlich nahe waren, doch nie Mittel und Wege ergriffen, mit letzterem in Berührung zu kommen und so ihr jüdisches Bewusstsein neu zu beleben. a) Die jementischen Juden wandten sich an Maimuni mit der Bitte, er möge sich für sie beim Kalifen in Kairo verwenden, was er auch tat. Vgl. Graetz B. VI, S. 277. 3) Aber schon früher ist es manchen Jemeniten gelungen, aus Jemen zu entkommen; so ist in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, ein Kabbaiist namens Rabbi Schalom Scharäbi nach Jerusalem gekommen und hat daselbst die noch jetzt bestehende kabbalistische Schule „Bet-el" gegründet (1790). Er hinterliess auch ein kabbalistisches Werk „Nehar Schalom" (in Jerusalem gedruckt 1882).

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