Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 1 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem geistigen Leben der echtorientalischen Juden in Vorderasien. Von A. Z. I d e 1 s o h n in Jerusalem. Die jüdische Bevölkerung des Orients verteilt sich auf folgende Gruppen: die Juden in Jemen, Babylonien, Kurdistan, Klein- Persien, Persien, Buchara, Daghestan, Georgien und in gewissem Sinne auch in Syrien. Es ist anzunehmen, dass diese Juden bereits seit der Zerstörung des zweiten Tempels ihre Wohnstätten inne haben, welche sie auch niemals verliessen. Hingegen sind die sogenannten Sefardim, d. h. die Nachkommen der um die Wende des 15. Jahrhunderts aus Spajijen,^ nachdem sie dort zwölf Jahrhunderte gelebt hatten, nach der Türkei eingewanderten Juden, keine echtorientalischen Juden. Denn etwa vom dritten bis zum achten Jahrhundert hatten sie unter gothischem, von da bis zum vierzehnten Jahrhundert unter maurischem und im letzten Jahrhundert ihres Aufenthaltes in Spanien wiederum unter spanischchristlichem Einfluss gelebt. In der Türkei angelangt, Hessen sie sich hauptsächlich in jenen türkischen Provinzen nieder, deren Bewohner Türken, Griechen und Slawen wraren. Abgesehen davon vermengten sich die Sefardim mit den alten jüdischen Bewohnern dieser Provinzen, die unter dem Namen „Romaniten" bekannt waren und griechisch sprachen. Ihre Umgangssprache ist die spanische. Aber auch sonst tritt bei ihnen das Spanisch-Romanische deutlich hervor. So sind ihre Sitten und Gebräuche usw. zum Teil spanischen Ursprungs. Von echtorientalischen Juden weisen die Gruppen Jemen, Babylonien, Klein-Persien und Daghestan eine hochentwickelte Intellektualität auf. Sie schufen in ihrer Mitte geistige Zentren; sie haben die jüdischen Ueberlieferungen aufrecht erhalten und entwickelten sie in eigener Weise, je nach den lokalen Bedürfnissen und Verhältnissen. 1. Die Juden Jemens. Nach der Tradition rührt die erste jüdische Ansiedlung in Südarabien von König Salomo her,1) nach Ueberlieferungen der Jemeniten ^.Gründet sich auf Könige I, 9, 27—28. Wenn man die heutigen Juden Jemens als direkte Nachkommen der voimohammedanischen Juden behandeln soll, wofür allerdings keine