Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 — 27 4i Esaw hasste den Jacob wegen des Segens. Er fasste einen tödlichen Groll, hoffend, dass er infolge des Ausspruchs „von Meinem Schwerte wirst du leben" bald imstande sein werde, seinen Bruder zu erschlagen. „Die Trauertage meines Vaters nahen," — so lange er lebt, will ich ihm den Schmerz nicht bereiten. — Dann werde ich meinen Bruder töten können, da der väterliche Schutz ihn nicht mehr behütet.1) 27 42 Es wurde der Ribka durch prophetischen Geist bekannt, dass Esaw gegen Jacob Böses sinne.2) 27 45 „Warum sollte ich Euch beide an einem Tage verlieren?" Nach einer Meinung bezieht es sich auf Jizchak und Jacob, da Esaw ja nur des Vaters Ende abwarten wollte, um Jacob töten zu können. Nach anderer Erklärung jedoch meint Ribka ihre beiden Söhne, da ja die Söhne des Erschlagenen den Tod des Vaters an dem Mörder rächen werden. — Nach der Erzählung des Talmuds wurden die beiden Brüder auch wirklich an einem Tage zu Grabe gebracht.3) 27 46 Ribka sprach: Wenn Jacob von den Töchtern Cheths eine Frau nimmt, wozu lebe ich? Ribka fürchtete, dass Jacob eine Tochter des Landes nehmen, sich in der Nähe ansässig machen und so der Rache Esaws um so mehr ausgesetzt sein werde.4) 28 s Es wird hier daran erinnert, dass der ruchlose Laban der Bruder der frommen Ribka war, und da die Söhne den Brüdern der Mutter nacharten, so konnte es nicht befremden, dass nicht Ribkas beide Söhne gottesfürchtig wurden. — Auch soll es bekunden, dass beide Söhne der Mutter Herzen nahe standen, da sie, um den Verlust der beiden nicht beklagen zu müssen, den Jacob nach Padan Aram sandte. Ein anderer meint, dass Ribka, obwohl Esaw der Erstgeborene, sie dennoch Jacob seiner Frömmigkeit wegen mehr liebte, daher Jacob voransteht. In diesem Sinne befahl sie Jacob der Obhut ihres Bruders, der ihn vor dem ihn etwa verfolgenden Esaw beschützen sollte.5) 28 7 Jacob gehorchte seinem Vater und zog nach Padan Aram. Jacob wurde, da er nun während der 22 Jahre seiner Abwesenheit seinen Eltern nicht die kindliche Ehrfurcht erweisen konnte, dadurch bestraft, dass später sein Sohn Joseph 22 Jahre von ihm getrennt war. Doch war er nicht auf das Geheiss seiner Eltern aus dem Hause gegangen? Wie konnte dafür eine Vergeltung erfolgen? Er hätte jedoch alsobald die älteste Tochter Labans, Lea, ehelichen können, und nur der Umstand, dass er die jüngere Tochter Rachel vorzog, verschuldete es, dass er so lange im Hause und im Dienste Labans aufgehalten wurde.6) *) Bech. z. St. 2) Raschi z. St. 3) Raschi z. St. 4) Bech. z. St. im Namen seines Lehrers. 5) Bech. z. St. 6) Bech. z. St.