Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 12 — Während seiner beinahe dreissigjährigen Volkssängerzeit hat Berl noch eine Menge Lieder verfasst, die aber, unaufgezeichnet, in Vergessenheit gerieten, gleich ihrem Meister. Denn vergessen blieb Berl Broder, der erste Sänger der unterdrückten jüdischen Volksschichten in Galizien. Nur hier und da summt man noch in der jüdischen Qasse seiner Geburtsstadt eines seiner Lieder mit seiner schwermütigen- Melodie. Jüdisches Volkslied aus Galizien. Mitgeteilt von Rabbiner Dr. Bamberger, Schönlanke. I. Men hot ins gegibin zwei gite simonim (== Zeichen), Mir sollin sei haltin besikoren (= im Gedächtnis), Es hoben sech meschadech (= verlobt) gewehen zwei mechütonem (= Schwiegerväter). Der schidech (= Verlobung) is geschlossen geworen. ' Einer is gewe'n e grausser gewir (= sehr reicher Mann), Der zweiter is gewe'n anoni (= arm); Die kalle (= Braut) is gewe'n beim jauzer jezir (= Weltschöpfer), Der chosen (= Bräutigam) bei Awrohom owini (= Stammvater Abraham). II. Der Schidech hot sich gezaugen durch einaner, Die chasene (= Hochzeit) hot nit gekonnt sein asau geschwind, Weil die kalle is gewen sehr alt ün der chosen a jung Kind, Dos is e jeden klor bijedoua (=bekannt hier im Sinne von begreiflich), As chasene zi machin senen mechütonem gern; Die kalle is ober geborin kaudem habrio (= vor der Weltschöpfung), Hot se gemisst wartin bis der chosen werd älter wem. III. Wie insere owaus (= drei Stammväter) Awrohom, Jizchok, Jakauf senen von der Welt gegangen, Is der chosen Jisrolik e josaum (= Waise) gebliben. Es is nit gewen, wer es soll dem schidech zisammen brengen, Der steiger jesaum werd vertrieben, Is woren vertrieben kejn mizraim (= Aegypten), Mit inuim koschim (= schwere Leiden) hot ihm Parau (= Pharao) interdrickt, Bis der mechüten sich hot merachem (= erbarmt) gewen min haschomajim In hot Mauschen (= Moses) for ein schädchen geschickt.