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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
Heft 4
Date
1913-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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- 10 - jenen starken Umfang annahm und mit ihr Hand in Hand die Militärpflichten für die Juden bindend wurden, verheirateten die Juden, um ihre Söhne der Militärpflicht zu entziehen, diese in ihrer frühesten Jugend, mitunter als 6- bis 7jährige Knaben. Berl, der diese Zeit mitmachte, hat diese Ereignisse satirisch dargestellt. Wus sugt ihr zy der Zeit, Wus oft der Welt is seint geschehen, Wie eins dus andery hot ubgenarrt Mit die Chassynes1), wus is gwen, Men hat genemen Kinder fyn fynfzehn Johr, Wos sei hoben nyt gewyst fyn kein Welt, Men hot assentiert a Trug fynfzehn Pur Uhn Kleider yn uhn Geld. „Assentierungen" nennt Berl diese Hochzeiten. Nun folgen wilder Beschreibung der Hochzeit selbst. Men hot nor gesehn Streimlech flyhn, Chussen2), Kaleh3) senen gygangen, mit Musik bewacht, Yn razymorynes4) Jupes ungetyn, Gleich es wolt gywen Hoschany-Rabe bei Nacht, Die Mechytunim hobyn mit die Hend gepatscht, In Harz is gewen groisse Zures, Dernoch hobn sich alle zypatscht, Es hot getoigt of tysionce5) Kapures. Of Klesmers6) is giwen a Welt, Chasunim yn Dajunim7) hoben oich nit derlegt, Klesmers hoben fardint fyl Geld Yn Dajunim hoben ofgetin, noch gyfregt, Dus wet eibig blaben? Es wet nit fehlen die mindeste Sach Dajunim welen Getin8) schreiben, Far a Kerbyl wet sein a Am of a Juhr. . Wenn auch in diesem Liede die Sprache zu derb ist, so ist doch diese Satire Berl gelungen, und die Widerwärtigkeiten dieser Jahre hat er getreu wiedergegeben. Schwächer ist die Satire: „Lied wie a chuchem schmyst zy der Welt", in der die „grosse Ungerechtigkeit", dass die Toren die Welt regieren, die Klugen aber nur Leid ertragen, einen ironischen Ausdruck findet. Weniger satirisch ist das „Lied fyn a ubgekymmenen Oischer", in welchem das Los eines herabgekommenen jüdischen Baal-Bus mit all seinem Leid besungen wird9). . *) Hebr.: Hochzeit. 2) Hebr.: Bräutigam. 3) Hebr.: Braut. 4) bunte. 5) Poln.: tysiace tausend. °) Hebr.: Musikanten. 7) Hebr.: Rabbinatsassessoren. 8) Ehescheidungsbriefe. 9) In diesen „Mitteilungen", Jg. 1910, S. 163—165 unter „Jüdische Volkslieder aus Galizien".

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