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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
Heft 4
Date
1913-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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— 7 — Berl Broder. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Volkssänger. Von N. M. Gelber (Berlin). (Schluss). Berl war ein Volkssänger im weitesten Sinne des Wortes, mit stark ausgeprägtem, sozialem Sinn. Denn aus den Versen fühlen wir eine Unzufriedenheit mit der sozialen Gliederung der Judengasse heraus, und zwischen den Zeilen liest man tendenzvolle Lehren, wie etwa: „Aendert, ihr jüdischen Baale-Batim, eure kleinlichen Lebensanschauungen, und lasset auch andere leben." In seinen Liedern findet man keinen Spott auf diese oder jene Klasse, alles ist leider wahr, wenn auch noch so tragisch, — ja, in diesen Typen spiegelt sich die volle Qolustragödie ab. Schwer war Berls Aufgabe, die Aufmerksamkeit der jüdischen Bürger auf die herrschenden Zustände zu lenken. Denn eines sieht man klar: Berls ganze Dichtkunst trägt einen belehrenden Charakter. Er selbst hat seine Kunst folgendermassen bezeichnet: Ys denn g'ryng ubzysugen, Of jenym ein Lid zy machyn, Bei kein Wort sich unzyschlugen Yn ous keinem nit zy lachen. An einer anderen Stelle dieses Liedes heisst es: Yenyms Karaktyr yberzysetzen Yn aldyng zy trefen klur Yn kein Brijh1) nyt aropzysetzen Afily2) of der mindester Hur. In einer anderen Strophe aber beklagt er sich, wie wenig man ihm zuhört, doch ist es ihm hier weniger um das blosse Zuhören als um die grosse Wirkung zu tun. Far wus soll mich nit verdrissen, As ich meg hüben, wie git geklehrt, Wil keinyr farnehmen mein Schmyssyn, Wie tier dus hot den Wert. (Lied fyn Beril in Brod.) Merkwürdig ist es, dass Berl, in der Zeit der grössten Kulturkämpfe in der galizischen Judenheit und in Brody, das lange Zeit die Führerschaft dieser modernen Bewegung — der Haskalah —. inne hatte, lebte, in seinen Liedern gar keine Beachtung dem Kampfe der Mithnagdim mit den Chassidim einerseits und deren gemeinsamem Eingreifen gegen die Maskilim andererseits schenkte. Diese Erscheinung lässt sich nach seinen Liedern, die wir besitzen, leicht erklären. Berl, der seit seiner Jugend ein Arbeiter war, brachte viel mehr Interesse den sozial-ökonomischen Missständen seines Volkes entgegen, als seinen geistigen Kämpfen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ihm, der in seiner Jugend zwar das Cheder besuchte, aber bei weitem keine hervorragende jüdische Bildung *) Hebr.: Wesen. 2) Hebr.: sogar.

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