Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dy megst mit allem benschen1), . Abi nit mit ein- Wasserträger." (Lid fyn a Wassertreter.) . Ein jeder möchte so gerne seinen Beruf gegen einen anderen eintauschen, obwohl er auch'sicherlich mit dem andern unzufrieden wäre. Nur der Wächter scheint einzig und allein zufrieden zu sein. Obwohl er ganze Nächte, ungeachtet, was für ein Wetter es ist, durchwacht, dankt er Gott für das Schöne, das er in der Natur findet, die allein in seinem peinvollen Leben ihm Trost gewährt. Nor mit a Treist treist ich mich, Wenn es lost mir nit zy kein Drymel. Gotts Werk seh ich - . Yn betracht dem Hymel, Es ist noch finster yn ally Winklyn Yn in Myrasch2) scheint schon Lecht. Ich seh die Steryn fynkeln, Yn in Mysrach2) scheint schon Lecht. Nicht die Schönheit der Natur ist es, die ihn erfreut, sondern mit dem Erwachen seiner Erlöserin—der Natur— beginnt für ihn die Ruhezeit.. Noch einen Typus, den Berl wahrheitsgetreu zeichnet, möchte ich berücksichtigen, das ist der „Wochengelder". Der „Wochengelder" ist ein Kleinwucherer, der an ärmere Juden Geld gegen recht hohe Wochenzinsen verleiht. In dem „Wochengelder" Berls begegnen wir dem Avare der Judengasse. In der Tat aber ist auch er ein unglücklicher Mensch. Er verleiht viel Geld, und nun finden sich schlauere Schuldner, die ihm das Geld nicht zurückerstatten wollen, als Belohnung für seine „Hautschind.erei", die er an so vielen armen jüdischen Kleinhändlern begangen hat. „Heintigen Tug handelt er mit mir Yn morgen fuhrt er of der Welt, Dort sugt er, wus freg ich nuch dir, „Fygis!" wel ich ihm geben, ober kein Geld." * * ... " ■;- '' "■ \ * . Wie wir sehen, hat Berl Broder fast alle charakteristischen Typen der jüdischen Kleinstadt geschildert und somit die vorherrschenden sozialen Differenzierungen gezeichnet. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern hat Berl keineswegs diese Typen karikiert oder satirisch dargestellt. In seinen Liedern werden sie wahrheitsgetreu mit all ihrem Leid und Schmerz gezeichnet. Berl Broder ist somit recht eigentlich der Dichter dieser unglücklichen, dem Elend verfallenen Menschenklassen geworden, in demselben Masse wie Morris Rosenfeld ein Arbeiter-Dichter ist, doch fehlt Berl dessen feine psychische Kultur. War er doch nichts mehr als nur ein Anfänger, der erste in der jüdischen Literatur, der diese proletarischen Typen als soziale Wesen besingt. --■-; (Forts, folgt.) *) segnen. " .;._ ) fiebr.. Osten.