Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich nebach gymeiner Belfer, Mein Erwerbung is mit Müh, - Der Talmid1) sugt, er ist mein Helfer, Zym Sof) hob ich fyn ihm kein Ryh. Auch bei ihm können wir das typische Merkmal aller dieser Berufe (wie Schames, Chasen etc.) konstatieren, die allzugrosse Verantwortlichkeit, die von den anspruchsvollen Balei-Batirn auf ihn gelegt wird, und deren Unzufriedenheit mit seinen Leistungen. As ich hob a Talmid, wus is gezytert3), Yn derzy hot er ein engyn Moiach, Du is mein Leben gur farbytert, Ich leig zy mein ganz Koiach, Ich arbyt mit ihm a ganzyn Tug, As fyn mir rynt der Schweiss, . Kymt dem Kinds Mamy mit a Klog Yn sugt, dem Kind ist dus Kepyl heiss. Er wäre ja schon zufrieden, wenn er nur die Kinder zu unterrichten hätte. Doch muss er leider auch andere Dienste leisten, wie am Pessach „kaschern", „Yom-Kippur" die „Kappures" zum „Schojchet" bringen etc. Noch viel trauriger ist sein Ende. As fym Belfer bin ich ganz awek, Tracht ich wus ich soll weiter tyn, Durch wus soll ich kymen zy ein Zweck. Zy soll ich mit ein Kleid basorgt, Zy soll russischer Tabak mein Handyl sein. Dus Kleid wert zyborgt Yn mich mit dem Tabak nemt men yn Der Tfissyh4) arein. In den übrigen Typen der jüdischen Gasse, die Berl schildert, spiegeln sich ebenso klar das Elend und die Unzufriedenheit ab. Der „Baal-Agule"5), der „Wächter", „Schindelschläger" und „Wasserträger" sind mit ihrem Lose unzufrieden. Sie alle arbeiten schwer und kennen nur das jammervolle Elend. „Farfinstert" ist ihr Leben, das von der Gnade eines jeden abhängig ist, und aller Wunsch ist am besten-in folgenden Worten des Wasserträgers zum Ausdruck gebracht: „Sysser Gott in Himmel, Wus Dy eibig lebst, Tyst keinmul kein Drymel Yn jedyn die Parnusseh gyst, Asoi wie Dy gyst a jedyrn Menschen, Los mich nit sein ärger, 1) Hebr.: Schüler. 2) Hebr.: Ende. 3) verhätschelt. 4) Hebr.: Gefangennahme,. hier Gefängnis. 5) In diesen „Mitteilungen".