Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Is men mich mechabed1) zy darschen2) in Schyhl. Far dreht men mir meine Juhren Yn der Kopp wet mir wie ein Mühl. Und wenn er schon die Predigt, voll pilpulistischer Spitzfindigkeiten, gehalten, sind die meisten unzufrieden, ja verdächtigen ihn sogar eines Plagiats. Es is nischt mein, nor gynaschte Toireh3). Wenn er aber in eine aufgeklärte Gemeinde kommt, dann besuchen'schon die* meisten den modernen Prediger. „Heit men nor dem Predygers-Brym" und den Baidarschar beachtet man gar nicht. Nicht besser ist seine Bestimmung, wenn er eine fromme Gemeinde besucht. Dort findet er fromme, aber „gymeine Leit", die ihn zwar gern hören — aber über schlechte Zeiten klagen, was eben bedeuten soll, das man leider seine tiefen Lehren jetzt mit keiner klingenden Münze belohnen könne. Yn far Hinger senen sei ausgemort Yn in der Parnusse senen sei gyschwechtr Yn fyn Geld hert men gur kein Wort. Noch ärger steht es mit ihm, wenn er in die „grosse Welt" kommt. As ich fuhr arois of der Welt Yn die Gabuim schleppen sich noch mir, Meinen sei, as ich darf kein Geld, As men sitzt tufys4), gyt men kest yn kwatir, Of dem Konto trynken sei uhn a Zuhl Yn senen schicker5) die ganze Teg. _ Dernoeh mys ich zuhlyn of a mul, Ich hob gur nit asoi-viel in man Farmeg. Endlich scheint ihn das Glück zu begünstigen,"'er. wird in einer kleinen „Khilah" als Prediger aufgenommen, selbstverständlich nach Erledigung einer ganzen Reihe von Formalitäten, ob er ja ein „Baal- . Jiches"6) sei und „Haskumes"7) habe. Men nemt mich in a klein Stedtyl arein, Urym senen sei ally in der kleinen Studt, As far Hynger schreien sie ally Giwalt Beneidenswert ist auch diesmal nicht der arme „Baal- Darschen"; denn, um sein Gehalt zu bekommen, muss der Unglückselige solange warten, — bis das Gemeindebad verpachtet wird. Yn ich mys wartyn, bis men ferdyngt dem Bud, Fyn dem krig ich mein Gyhalt. Hat uns Berl in dem Baal-Darschen den Typus eines jüdischen Volkserziehers gezeichnet, so will er in einem anderen ebenso charakteristischen Liede den jüdischen Jugenderzieher, den Melamed und „Behelfer", vorführen. Elend und geradezu unglücklich fühlt sich der „Belfer". x) Hebr.: beehrt 2) Hebr.: predigen. 3) Hebr.: Lehre. 4) Hebr.: gefangen. 5) Hebr.: trunken. °) Hebr.-. -Adeliger, Vornehmer. 7) Hebr.: Gutachten,. Zeugnisse,.