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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · 3 (1913) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
3 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Kurz ist das Leben, gemessen soll man es, eine hedonistische Stimmung lässt sich aus dem letzten Verse herausfühlen. War der Totengräber in einer allzu ironisierenden Laune voll lebensphilosophischer Betrachtungen, dass man y im Leben keine Stunde „leer" zubringe, so ist der „Schames" in einer geradezu verzweifelten Lage. Ihm ist das Leben eine Last, er muss immer auf den Beinen sein, einen jeden bedienen, mit einem Worte: er kennt im Leben keine Freude. Tagtäglich muss er schon früh die „Baalei- Bathim" zum Gebet rufen. Und wenn er einmal irrtümlicherweise an die Tür eines „anderen" klopft, — dann wehe ihm. Nyt genyg Gott hot mich getyn strufyn, Scheit men mich noch — ganz gyt un. Wenn wiederum ein „Baal-Bus" spät abends nach Hause kommt und des Morgens sein Klopfen nicht hört, dann bekommt er, der „Schames", noch Vorwürfe von ihm zu hören. Aber Donnerstag, wenn er um das Wochengeld kommt, da sprechen die „Baalei- Bathim" ganz anders, freundlich, gutmütig, — aber Geld will keiner geben. Traurig ist seine Lage und undankbar die Menschen ihm gegenüber. Of Chassynes1) yn Brissyn2) zy gehn, Schickt men mich arym beten, Chotsch jener will nit gehn, Tur ich ihn nischt ubtretyn. Einer will nit gehn, — der andere macht sich krank. Yn dem dritten hob ich g'rud vergessyn, M'schreit: durch dem „Schamys" hoben mir kein [Druschegeschank.3) Das sein Lohn, — aber Arbeit und Mühe spart ihm keiner. As es kymt fartug Sliches, Hoben meine Fys kein Spur. Der Gaby4) wohnt bei al di Ryches5) Yn der Chasen6) bei al dy schwarze Juhr, Ale dy Gesslech fyn dem Mark Bin ich schoin ousgekrochen, Nit einmol hob ich gebrochen dem Kark7) Yn derzy dem Lamteryn zebrochen. As es kymt Freityg seiger vier, Weiss ich nit, welch's zy tyn frühr, Zy soll ich die Lecht unkleben, Zy soll ich, wie a Ryach arymschweben, Fyn dem Wind schmelzen ojs die Lecht, Yn a Scheigyz hot dem Eiryw zyryssen, 1) Hebr.: Hochzeiten. 2) Hebr.: Beschrieidungsfest. 3) Hebr.: Derascha Vortrag. Geschenke für den vom Bräutigam gehaltenen Talmudvortrag. 4) Bethaus-Verwalter. ) Hebr.: Geister. 6) Hebr.: Vorbeter.. 7) Pohl.: Nacken,

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