Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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der Welt; 19. Fyn ein Melamed; 20. Schadehen; 21. Lid wie ein Raiber hot. gestochen Hausner; 22. Ein Baldarschen; 23. Schyster mit ein Schneider; 24. Wochyn-Qelder; 25. Lid fyn goldynym Morgen; 26. Lid fym Wanderer; 27. Belfer; 28. Lid fym Qystorbenem; 29. Lid fym Wechter; 30. Wasser-Träger. Die Lieder 19, 20, 23 und 26 sind nicht in der Sammlung enthalten, so dass wir von Berl nur 26 Lieder besitzen. Von seinen Kindern soll noch heute ein Sohn in Zloczow (bei Tarnopol) als „Melamed" leben1). -'■ IL ' ""' Nach den in der genannten Sammlung abgedruckten Liedern stellt sich uns Berls dichterische Tätigkeit als eine ziemlich einseitige dar. Abgesehen von einigen Stücken sind alle durchweg sozial gefärbt. Berl will in seinen Liedern Typen einzelner Gesellschaftsklassen, die in der Judengasse leben, darstellen, doch ohne jedwede Absicht,.sie irgendwie "im satirischen Lichte zu betrachten, wie es beispielsweise Wölwel Zbarazer tut. Doch wollen wir zuerst die einzelnen in Betracht kommenden Lieder skizzieren, um dann zu einer klaren Darstellung seiner dichterischen Eigenart gelangen zu können. Im Liede „fyn dem Pastuch" schildert er uns das bittere Schicksal eines Hirten. Der Hirt beklagt sich* dass er nie Ruhe habe, immmer müsse er auf dem Felde sein und seine Schafe weiden. Kaum legt er sich aber spät abends zur Ruhe, da kommen Diebe und stehlen ihm einige Schafe. Am frühen Morgen, wenn er den Diebstahl bemerkt, da: „Farschelt ich die Nacht fyn mein Schluf, Oi wus hob ich bedarft zi ryh'n, Es ys of mir ymgegangen a Gotts Struf. Wenn er aber die zweite Nacht schon Wache hält, da kommt der Wolf und entreisst ihm ein Schaf. Ja, traurig ist sein Geschick, aber trotzdem hat er manchen schönen Tag: Symer ganz früh, wenn droissen ys schein, Wenn jeder spazieren geit, Lyg ich . yn Feld gur allein, Hob auch ein bissl Fraid. Er will aber gerne darauf verzichten, und an "Gott richtet er folgende Bitte: Indessen, süsser Gott, bet ich dich sejr, Ich soll kein Pastuch sein. In dem Liede können wir vielleicht einen Protest gegen das hypertrophe idyllische Motiv, das ja bekanntlich so stark in der Haskalahliteratur wurzelt, erblicken. Im Gegensatze zu den Maskilim, die immer mit Pathos die Schönheiten des Dorflebens besingen, zeigt ^Leider konnte ich ihn während meiner Anwesenheit in Zloczow nicht ausfindig machen.