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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · 3 (1913) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
3 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Als Berl in Brody auftrat, lebte dort ein jüdischer Badchen Naftuli, „der Gramensuger". Eines Tages träfen beide auf einem jüdischen Familienfeste zusammen. Naftuli, der in diesem „apikoirisdigen Badchen" seinen Konkurrenten sah, höhnte Berl, dass er seine Lieder zuerst niederschreibe und sie-erst dann vorsinge im Gegensätze zu ihm (Naftuli), der seine „Gramen" aus dem" Stegreif singe. Darauf ging Berl mit ihm eine Wette ein, dass er alle von ihm gestellten Themata in Versen besingen werde. Dieser jüdische „Sängerkrieg" dauerte eine ganze Nacht; Berl entledigte sich seiher Aufgabe aufs glänzendste und erntete bei den Gästen grossen Beifall. - In dieser Zeit besuchte ihn der spätere Meister des jüdischen Volksgesanges, Wölwel Zbarazer, der auch sein naher Anverwandter war. Als Brody die reiche Handelsstadt, infolge einer grossen wirtschaftliehen Krisis arm geworden, verliess Berl die Stadt. Nun beginnen seine Wanderjahre; er durchzog mit seiner Sängergesellschaft fast alle grösseren Städte Galiziens, wo er überall gerne gehört wurde. Späterhin ging er nach Rumänien, wo er bis zu seinem Tode verblieb. Hier soll er wenig Neues geschaffen und seine ganze künstlerische Tätigkeit bloss aufs Vortragen seiner alten Lieder beschränkt haben. Er lebte hier nur ungern, da er des jüdischrumänischen Milieus ungewohnt war. Es fehlte ihm jene lustige, aufgeklärte Patriziergesellschaft Brodys, die seinem künstlerischen Schaffen viel mehr Verständnis und feineres Empfinden entgegenbrachte als die rumänischen Juden, die, zu jener Zeit fast jeder Bildung bar, von ihm nur „komisehe Lieder", die sie zum Lachen anregen sollten, zu hören wünschten. Auch materiell ging es ihm hier schlecht, so verlebte er in Armut seine letzten Lebensjahre. Er soll um das Jahr 1880 in einer kleinen Stadt bei Bukarest gestorben sein. Seine Lieder hat er nie vollständig niedergeschrieben, er gab nur einen Teil (im ganzen 30 Lieder) in Lemberg (im Jahre 1876) heraus. . Schon auf dem Titelblatt wird der Charakter dieser Lieder bezeichnet: „Draissig naje Broder Lieder. Jedes Lied besingt sejr schein ejn andren Menschenklass in sogt akorat dem Karakter vun jeden, as es is a grojsse Vargnigen zu lesen und ouch lernt men sich dervon sejr viel Chochme (Weisheit)/4 Obwohl es auf dem Titelblatt „Draissig naje Broder Lider" heisst, so sind sie doch alle von Berl selbst verfasst. In dem- Inhaltsverzeichnis heisst es ausdrücklich: „fyn mir Farfassyr Beril Broder, wus hot die Lider farfasst", nun folgen die Titel der dreissig. Lieder, die wir hier, da die genannte Liedersammlung heute eine bibliographische Rarität bildet, wiedergeben wollen: 1. Lid fyn ein Pastuch; 2. Tug yn Nacht; 3. Fyn ein Üriniann; 4. Wie a Taty kymt zym Kind; 5. Fyn ein Gräber; 6. Fyn ein Pekelmacher; 7.. Sehames\ 8. Komet-Steryn; 9. Schindelschieger; 10. Sreifeh yn Brody; 11, Lid fyn a Blinden; 12. Lid fyn a. ubgekymmenem Oischer; 13. Gseireh-Chassyneh.; 14. Bal-Aguleh; 15. Fyn ein Chasen; 16. Zwei Steryn; 17, Lid fyn Berl Broder; 18, Wie ein Chuchem schmyst zy

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