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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · 3 (1913) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
3 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Brody, die reiche Handelsstadt, zählte in ihrer Mitte vornehme jüdische Patrizierfamilien, die gern zu ihren Bauten bei Margulies Lehm und Ziegel kauften. ' Seinen jüngsten Sohn Berl, den er besonders liebte, schickte er ins Cheder, wo der junge Berl mit Eifer dem Talmudstudium oblag. Doch nicht lange war es unserem Berl gegönnt, eine sorglose Jugend zu verbringen. Als noch junger Knabe verlor er den Vater. Nun musste seine Mutter, um die zurückgebliebenen Kinder ernähren zu können, zusammen mit ihrem älteren Sohne Abraham ein Topfgeschäft führen. „ Aber auch Berl musste nun sein Studium unterbrechen und sein täglich Brot verdienen. In Brody blühte zu jener Zeit der Borstenhandel, aus Russland wurden die Borsten nach Brody gebracht, hier verarbeitet und von hier exportiert. Es wurden bei dieser umfangreichen Produktion zumeist jüdische Arbeiter beschäftigt. Nun entschloss sich Berl, auch ein „Chaserhorarbytur" (so werden diese Arbeiter im Volksmunde genannt) zu werden. Er wurde ein so tüchtiger Arbeiter, dass er bald seine Kollegen übertraf. Nach einer Reihe von: Jahren wurde er Einkäufer bei einer grossen Exportfirma in Brody, von nun an sollte er nicht mehr als ein gewöhnlicher Arbeiter die Borsten putzen, packen-usw., sondern er, reiste im Auftrage seiner Firma nach Russland, um dort die Ware einzukaufen. Im Alter von 25 Jahren heiratete und übersiedelte er nach Podkamien1). Da er aber hier keine Arbeit fand, musste er auch weiterhin bei seiner Firma in Brody arbeiten, von wo er für Samstag nach Hause kam. In diesem einförmigen Leben begann Berl, der von Natur aus sehr witzig und redselig war, bei der Arbeit seine Kollegen durch „Wertlach" zu unterhalten. Man nannte ihn unter den Arbeitern- „Berl, den Wertylsuger". Aber Berl begnügte sich bei weitem nicht mit dem „Wertylsugen", sondern sang wahrend der Arbeit selbst verfasste Lieder. Ech bin of der Welt arosgekimmen, Is of mir gefallen a Moire sch'chojre; - Huben ungehojben mane Lider zy brimen, Hub ich nischt gehabt kan Mojre. Wi men hot gelojbt Gott; grojs.se Gewalten, Men hot mech geriffen Berl vyn Brod2). So schildert Berl die erste Zeit seiner ersten dichterisch-badchunischen Periode. Auf Anregung seiner Arbeitsgenossen begann der kaum dreissigjährige Berl immer mehr Lieder zu verfassen und sie ihnen *) Ein kleines Städtchen mit einer grossen jüdischen Einwohnerschaft, 3 Meilen von Brody entfernt. 2) Abgedruckt in den Mitt. z. jüd, Volkskunde, Jg. 1910, S. 165—166. "

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