Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Berl Broder Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Volkssänger. Von N. M, Gelber (Berlin). ■ L Der jüdische Volksgesang findet seine ersten Wurzeln im jüdischen Ghetto, und seine Hauptrepräsentanten bis ins 19. Jahrhundert sind der jüdische Minnesänger der deutschen Ghettojudenheit im Mittelalter und der Badchan der polnischen Juden, der noch heute in fast allen Kleinstädten Russlands und Galiziens anzutreffen ist. . Aus dem Badchan wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts der moderne jüdische-Volkssänger. Die meisten Volkssanger waren ja früher „Badchunim", die sich mit der Zeit in ihrem künstlerischen Berufe fortentwickelten. Während sich die künstlerische Betätigung der „Badchunim" auf Hochzeiten und andere Familienfestlichkeiten beschränkte, ist der Volkssänger an gar keine -derartige Veranlassung gebunden. Seine Lieder singt er in Restaurants, Gasthäusern, im Sommer in Gärten, mit einem Worte: der jüdische Volkssänger war der Schöpfer des jüdischen Cabarets und des jüdischen Theaters. Der Stoff, den seine Lieder zum Gegenstand haben, ist dem jüdischen Leben entnommen und zumeist in satirische Form gekleidet. Jüdische. Volkssängergesellschaften, die ihrer ganzen künstlerischen Wirkung nach als die eigentlichen Vorläufer des jüdischen Theaters zu bezeichnen sind, entstanden zumeist in Galizien, und ihre Tätigkeit konzentrierten sie auf Rumänien, das ja in den Jahren 1860—1880 das Hauptgebiet der jüdischen Emigration aus Russland und Galizien bildete. Den hervorragendsten jüdischen Volkssänger kennen wir in Wölwel Zbarazer (Ehrenkranz)1). Sein Vorläufer nud Vorbild war Berl Broder. Sein eigentlicher Familienname ist Berl Margulies; weil er aber aus der Stadt Brody (Ostgalizien) stammte, nannte man ihn Berl Broder (der Brodyer), Berl2) wurde um das Jähr 1817 als Sohn eines mittelmässigen ßrodyer Kaufmanns geboren. Sein Vater handelte mit Lehm und Ziegeln, was ihm ein recht schönes Einkommen eintrug, da zu dieser Zeit in Brody — es war nach einem grossen Brande recht viel gebaut wurde. *) Ueber ihn siehe diese „Mitteilungen14, Jg. 1909, S. 65-69 u. S. 103—118. 2) An dieser Stelle danke Jch Herrn. Moses Rosenblum aus Brody für die biographische;! Mitteilungen, Der Verfasser,