Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 2 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— JI — ihre Frauen bei einem ruhigen, samten Wasser beschieden. Der Ewige wollte ihnen hierdurch ein treffendes Bild einer guten Frau geben, die einem geräuschlosen, sanften Wasser ebenso gleicht, als ein zänkisches Weib einem reissenden Strome. Diese reisst wie jener alles mit sich fort: des Mannes Vermögen, seine Gesundheit und auch wohl seinen Verstand. Von dieser sagt Salomo ebenfalls: besser in einer Wüste wohnen, als mit einer zänkischen und mürrischen Frau leben. Die sanfte und friedliebende Frau hingegen belebt alles und verbreitet nur Frieden und Wohlwollen um sich her, wie ein sanfter Bach jedem Gefühlvollen ein angenehmer Gegenstand ist. Und jene grossen Männer waren kaum dem Tode entronnen, als sie sich verlobten. Isak entkam dem väterlichen Schlachtmesser kaum, Jakob kaum dem gehässigen Bruder Esau und Moses kaum dem Racheschwert Pharaos. Da zeigte ihnen der Ewige, dass sie nicht durch ein böses Weib einen härteren Tod, als sie ihm entkamen, zu fürchten, sondern sich einer guten Frau zu erfreuen haben, welches auch wirklich eintraf. Von einer solchen Frau sagt die Tora, dass der Mann die Eltern verlassen und der Frau anhangen muss, woraus deutlich hervorgeht, wie heilig die Pflichten der Ehe sind. Wir hegen den Wunsch, dass dieses Paar solche Treue erfüllen und sich jeder Teil bestreben wird, des anderen Tage zu versüssen, dass der Wunsch des einen der Befehl des anderen Teils sein möge, ganz nach dem Sinne des Wortes: wehaju lebasar achad, beide sollen ein einiges Wesen ausmachen." Bücherschau. Volksschriften über die jüdische Religion. Herausgegeben von Dr. J. Ziegler, Karlsbad; J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1912 bis 1913. Je Mk. 0,80. 1. M. Wiener, Die Religion des Propheten. 2. R. Leszinsky, Pharisäer und Sadduzäer. 3—4. B. Jacob, Die Thora Moses. 5. B. Venetianer, Jüdisches im Christentum. 6. P. Goodman, Die Liebestätigkeit im Judentum. Mit diesem Unternehmen hat sich der Herausgeber ein unbestreitbares Verdienst um die Popularisierung der Wissenschaft des Judentums erworben. Auch die Wahl der Themen ist bisher als eine glückliche zu bezei'chnen. Jacobs Arbeit z. B. ist ein kühner, aber notwendiger Versuch, das grössere jüdische Publikum auf einem Kampfplatz zu orientieren, auf dem um das heiligste Qut des Juden, seine Heilige Schrift, mit aller Leidenschaft gestritten wird. Und selbst, wenn man seine Ergebnisse nicht durchwegs unterschreibt, den Standpunkt der freien Forschung, den er hier auch der Bibel gegenüber einnimmt, wird man bei ihm verstehen, sich jedenfalls seiner Argumente gegen die moderne Hyperkritik freuen.