Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 2 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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- 28 - und im K1 e i a q a r. Eine andere ansprechende Erklärung will ich hier bieten. Die Tora wird bekanntlich „Wasser" genannt, wie der Vers gedeutet wird: Wer dürstet, gehet alle nach Wasser. Eine glückliche Ehe wird aber durch die Tora -gestiftet, d. h. durch ihr Studium und, als; dessen Folge, die Beobachtung ihrer Gebote.*) So lesen wir zu Beginn des Tr. Sota: Die erste Ehe wird bei der Geburt des Paares im Himmel geschlossen, die zweite Frau entspricht den l'aten des Mannes. Daher findet ein Gerechter eine Gerechte als Wirkung seines Studieneifers und seiner Treue gegen die Gebote der Tora. Und wenn nun von der ersten Frau gesagt wird, man gewinne sie je nach seinem Glücksstern, so heisst es doch andererseits im Tr. Schabbat (Ende): Für Israel gilt keine astrologische Vorherbestimmung, d. h. nach Raschis Erklärung, grosse Verdienste können die ungünstige Konstellation ändern. Wenn also einer die Tora eifrig studiert und ihre Gebote hält, so kann er auch bei ungünstiger Konstellation durcby diese seine Verdienste eine würdige Gattin gewinnen, worauf ja das ganze Trachten des Mannes gerichtet sein soll. Hat er sie gefunden, dann wohnt die Majestät Gottes bei ihnen, denn der Buchstabe Jod in i s c h Mann ergibt zusammen mit dem Buchstaben Heinischah Frau den Gottesnamen J a h. Dass also jene drei ehrwürdigen Männer ihre Frauen an einem Wasser gefunden haben, soll darauf hinweisen, dass sie durch ihre Verdienste um die Tora, die Wasser genannt wird, zu solchen glücklichen Ehen gekommen sind. Einen Beweis für meine Ausführungen finde ich im B a a 1 h a - turim zu Wajjetse, der daran erinnert, dass in diesem Abschnitte siebenmal das Wort beer Brunnen vorkommt, wie das Fest des Wasserschöpfens (Sukkot) 7 Tage hat und jeden Sabbat 7 zur Tora aufgerufen werden. Zwischen dem Brunnen und den Festtagen bildet das Tertium comparationis das ästhetische Moment. Was aber die 7 zur Tora Aufgerufenen mit einem Brunnen gemeinsam haben? Nun, wir zitierten soeben, dass die Tora „Wasser" genannt wird. Es wäre aber doch wohl das Bild eines Stromes, der ständig fliesst, passender gewesen als das des Brunnens, der zeitweise aussetzt? Doch nicht! Im Tr. Jebamoth erklärt Ben Azzai, er heirate nicht, weil er mit ganzer Seele an der Tora hänge. Auch ohnedies ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Frau den Mann mitunter vom Studium abhalten kann, wie doch im Tr. Aboth sogar vor Geschwätz mit Frauen gewarnt wird. Schon die Sorge für Weib und Kind und den Unterhalt hindert häufig am Studium. Wenn nun auch die Tora selbst befohlen hat, eine Frau zu wählen, so gilt doch, das Prinzip: Ps. 119, 126: „Zeit ist's, für den Ewigen zu handeln, wenn der Lehre Gefahr droht." Mitunter fordern die Zeitumstände Ausnahmen. Jener Brunnen soll daher andeuten, dass, wer, wie der Brunnen — im Gegensatz zum *) Vgl. Lichtenbergs: Die schönen Weiber werden heutzutage mit unter die Talente ihrer Männer gerechnet.