Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 2 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 — Pinkus Markus, den Vater seiner Frau Theresia, seit längerer Zeit ernährt habe. Am 25. Februar bewirbt sich David Simon zu Chrodisch verlebten (tolerierten) Juden Pinkus Markus.'4 Er tollerierten Judenfamilien zu Bludowitz auf den Platz des in Chrodisch verlebten tllerierten Juden Pinkus Markus." Er führt zu seinen Gunsten die folgenden Gründe an: 1. , Habe ihm laut beiliegendem Zeugnis des k. k. Landesältesten-Amtes in Teschen vom 26. November 1777 der erstgeborene Sohn des Verstorbenen, Markus Pinkus, das Recht der Erstgeburt abgetreten. Er habe auch die hochamtliche Bewilligung erhalten, um dem Verstorbenen „an Händen seyn zu können", „jedoch ohne ein besonderes Familienhaupt zu konstituieren," dessen Tochter zu heiraten. 2. habe sich der genannte Schwager Markus Pinkus taufen lassen, er brauche also keine Toleranz. 3. Laut Ausweises des früheren Judenkollektors hat er vier Jahre lang für seinen Schwiegervater sowohl als auch für sich mit 40 Fl. jährlich die Kontribution geleistet; von dem neuen Kollektor ist er auf 44 Fl. erhöht worden. 4. An Pachtzins zahle er für alle seine Arrenden jährlich 2100 Fl., die alle Dominien vierteljährlich vorausbezahlt haben wollen. Ein Beweis, dass er so kapitalkräftig sei, wie es nur immer von einem tolerierten Juden verlangt werde. 5. Habe in aller Form der zweite Sohn des Verstorbenen, David Pinkus, zu seinen, des Bittstellers, Gunsten auf jeden Anspruch auf die Toleranz verzichtet. Das Gesuch wurde abschlägig beschieden. Trotzdem pachtete David Simon die erwähnten Arrenden, und der jüdische Steuerkollektor ZachariasGersonLazarus stellte ihm ein Attest aus, dass er statt des erstgeborenen Sohnes seines verstorbenen Schwiegervaters Pinkus Markus von der kgl. Landesstelle in Troppau in die Familie eingesetzt worden sei. Hierfür wurden beide am 4. Juni 1782 zu dreitägigem Arrest bestraft. Um nun im Prozess des Fiskus gegen die Herrschaft Grodischz die hebräischen Unterschriften des Pachtvertrages lesen zu lassen, brauchte man einen Sachverständigen. Nach dem Toleranzpatent vom 11. Dezember 1781 § 2 wurde den Juden nur die einfache Religionsübung ohne eine Synagoge und ohne Rabbiner und Vorsteher gestattet. In Ermangelung eines Rabbiners wurde der wegen seines Wissens und redlichen Wandels bekannte Herzogl. Schwarzwassersche Branntwein-Arrendator Isak Moyses in Teschen als Dolmetsch verwendet. Der Vertreter der Gegenpartei schlug für dieses Amt den Tabaksverleger Joseph Löwy vor. Moyses weigerte sich, den vorgeschriebenen Eid zu leisten. Er wollte nur „die Verdolmetschung auf seine Seel und Seeligkeit nehmen." Man sah sich gezwungen, hierauf einzugehen. Schliesslich nahm man aber doch zu dem vereideten Dolmetsch Lazarus