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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · 2 (1913) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
2 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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— 2 — Wir begreifen, weshalb er den König zu dem Erlasse bestimmt, dass, durch das Beispiel Waschtis gewarnt, alle Frauen im Reiche ihren Männern gehorchen sollen. Der zweite Abschnitt macht uns mit Mordechai und Ester bekannt. Die Einladung in den Palast zur Königinwahl verursacht unter den Mädchen die grösste Aufregung. Es steigen die Preise der Toiletten. Mordechai, das erfahren wir aus dem dritten Abschnitt, entdeckt, indem er sich schlafend stellt, den Anschlag auf das Leben des Königs. Die Verschwörer werden hingerichtet. Die Mütter schelten die neuen Trachten aus Paris, ohne die ihre Töchter nicht in den Palast wollen. Mordechai erhält von Ester, die sich in ihrer neuen Würde sehr glücklich fühlt, Botschaft. Die verschmähten Mitbewerberinnen finden sich jede in ihrer Art mit ihrem Schicksal ab. Der Befehl zur Vernichtung der Juden verbreitet in ihren Häusern Angst und Trauer. Der vierte Abschnitt schildert den feierlichen Aufzug zu Ehren Mordechais. Harnan kommt an den Galgen. Das Stück entbehrt allerdings des künstlerischen Charakters, ist aber, von der Besonderheit der Mundart abgesehen, für die Charakteristik der Kreise, in denen es aufgeführt und ungemein beliebt wurde, nicht ohne Belang. Die Wiederbelebung der Purimspieie sollten sich alle Freunde des jüdischen Volkslebens angelegen sein lassen. Die Wiedergabe der folgenden Probe dürfte auch von diesem praktischen Gesichtspunkte aus ihre Rechtfertigung finden. Erster Abschnitt. (Zimmer im Palast.) Charbona (kommt aus einer Seitentür): Schön fott is die Arure (Verwünschte); Die hot doch g'hat a Zure (Figur), Wie an ausgeschnittner Karpes (Kürbis). Was teitsch, wie hat mer nit mehr Tarbis (Lebensart)? Wenn der Man sagt: kumme! —, Darf die Frä nit brumme. Der Melech (König) schickt do nebbich in besten, Sie soll a bissle nacket kumme, un die Geschten (Lumpenliese) Losst'n sagen: Wenn ich mag. Is gewiss gesteckt in Mazze-Täg (Teig zu den ungesäuerten Broten)? Schtus (Unsinn), hot ebbes do gehatten Notwendige Masso-u-matten (Geschäfte). Hot mess'n die flühner die Schwänz naufbinden. Was teitsch — wenn der Melech (König) ebbes befiehlt? Auf der hob ich schon lang gezielt; Der ihr Assuskat (Anmassung) is jo nimmer hie! Ober iz steckt sie schön in die Brüh. Gelt, alle weil vergeht ihr's Lachen, Iz, Madame Waschti, geht sie krachen.

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