Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 16 (1913)
- Issue
- 1 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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- 27 — Unwissenheit, während die Substitution von Arkadius oder Arnold auf bloßer Schallverwandtschaft beruht und durch das Bestreben hervorgerufen ist, die jüdischen Namen um jeden Preis zu europäisieren. Ein Teil der Namen scheint seinen Ursprung Bei- oder Kosenamen zu verdanken, die als solche keinen Eingang in den synagogalen Gebrauch gefunden haben. Das dem so ist, beweist der Umstand, daß mancher Name nicht einem bestimmten hebräischen, sondern vielen solchen entspricht. Zu solchen Namen gehören besonders Selig und Süss mit ihren Variationen (Seligman, Selkrnd, Süssmann, Süsskind usw.) sowie Gottlieb, Phöbus und andere. So dient z. ß. Seligmann als Kinnuj für mehr als 20 verschiedene Namen, darunter: Jakob, Ephraim, Juda, Abraham, Aaron, Salomo, Gerson, Rüben, Josua, Asriel, Schmarje und viele andere. S. Weissenberg. Dr. E. R. Schnitkind, Die Grundlagen der B eschneidungsoperation. Moskau 1911. Gr. 8U. IV + 255 S. (russisch). 2 Rub. 50 Kop. Das Buch sucht in populärer Form mit den Beschneidungsoperationen bei beiden Geschlechtern bekannt zu machen, wobei ihre Verbreitung und die mit ihnen verbundenen Gebräuche auf Grund leider nur der älteren Literatur geschildert werden. Die Beschneidung soll ihre Entstehung hygienischen Gesichtspunkten verdanken und erst allmählich sich zu einem religiösen Gebot entwickelt haben. Nur die Juden üben die vom chirurgischen Standpunkte aus rationelle Operationsmethode, die, wie der Verfasser betont, von Abraham erfunden worden ist. Die Schwächen des Buches bestehen in mangelhafter ethnologischer Schulung des Autors, die sich auch darin kundgibt? daß er oft die Bibel dort wörtlich nimmt, wo es jetzt kein Mensch mehr tut. Da aber die russische Literatur einstweilen kein zweites Buch auf diesem Gebiet aufzuweisen hat, so ist sein Erscheinen willkommen zu heißen. S. Weissenberg. S. Beilill, Sprichwörter und Redensarten der sibirischen Juden. Heft 1. Irkutsk, 1912. 8°. IV + 25 S. 30 Kop. (russisch). Der den Lesern dieser „Mitt." als fleißiger Folklorist bekannte Herausgeber der vorliegenden Sammlung fungiert seit mehreren Jahren als Eabbiner in Irkutsk. Unter den von ihren russischen Brüdern fast ganz abgesondert lebenden sibirischen Juden hat sich eben deshalb vielleicht noch manche Perle jüdischen Witzes in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Davon zeugen die 35 Sprichwörter mit den begleitenden recht witzigen Auslegungen des ersten Heftes. Es sind aber lauter solche Stücke, die auch sonstwo in Rußland zu hören sind, und es wäre viel lohnender, nach sibirischen Erzeugnissen zu forschen, die das Verbanntenleben in völlig fremder Umgebung illustrieren, S. Weissenberg.