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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1913-01-01 · 1 (1913) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
16 (1913)
Issue
1 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 11 (sequence 18)
Language
German
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— 11 — wolle. Als dann aber statt eines Knaben ein Mädchen geboren wurde, trösteten sich die Juden damit. „Wäre ein Knabe zur Welt gekommen, so hätte der allein der Messias sein können". 482. Ein Jude und ein Bauer stritten miteinander, wer mehr Feiertage habe. Für jeden christlichen Feiertag sollte der Bauer vom Haupte des Juden, für jeden jüdischen dieser vom Kopf des Bauern ein Haar ausreißen. Nachdem der Jude auf diese Weise die bestimmte Zahl Haare dem Bauern ausgerissen hatte, riß ihm dieser mit einem Mal beide Seitenlocken aus. „Der ist gegen die Vereinbarung", schreit der Jude. „Wieso?" fragt der Bauer „ich will ja nur so viel Haare von dir behalten, als ich Feiertage habe, die anderen gebe ich dir zurück". 480. Zwei Juden begegnen in einem Walde einem Wolf. Der eine erhebt gegen das Tier seinen Stock und zitiert das polnische Sprichwort: „Wenn Gott will, schießt sogar ein Stock". In demselben Augenblick schießt der Waldheger, der in der Nähe dem Wolf aufgelauert hatte, das Tier nieder und der Jude ruft seinem Gefährten zu: „Siehst du, Mosche, wenn Gott will, kann wirklich ein Stock schießen". 479. Ein Jude hält auf einer nächtlichen Wanderung durch den Wald zwei Baumstümpfe für zwei Wölfe. Er schreit ängstlich: .„Weg, ihr Wölf! Weg, ihr Wölf!" Da die vermutlichen Wölfe sich nicht vom Platz rühren, nimmt er seinen Hut ab und ruft: .„So, ihr seid zwei und wir sind zwei". Die Wölfe bleiben aber stehen und der Jude auch, bis es Tag wird. Da er nun seinen Irrtum bemerkt, tröstet er sich: „Es war Nacht und jetzt ist's Tag, — es waren Wölfe, jetzt sind es Baumstümpfe". 478. Ein Jude begegnet jungen Bauern, die Weizen mähen gehen. Um nicht von ihnen behelligt zu werden, fängt er ein Gespräch an. „Ihr solltet doch lieber, statt zu mähen, auf die Wolfsjagd gehen, meine jungen Herren". „Hast du denn hier Wölfe gesehen?4' fragen die Bauern. „40 Stück, erwidert der Jude." Und als die Bauern ungläubig lachen, versichert er: „Fünf ganz gewiß!" „Wie sahen denn die Wölfe aus?" fragen die Jungen weiter. „Nun", sagt der Jude, „sie hatten kleine Augen und lange Schwänze, hüpften von einem Loch zum andern und schrien:;pi, pi, pi". „Du närrischer Jude!" lachten die Bauern, „das waren ja keine Wölfe, das waren Mäuse". Doch der Jude antwortet ganz beleidigt: „Was ich gesehen habe, das sag' ich euch". 476. Ein Jude geht mit einer Ziege durch den Wald. Da begegnet ihm ein Wolf. Die Ziege beginnt ängstlich mit den Beinen zu zittern. Der Jude sagt zu ihr: ..Frau Ziege, tötet den schlechten Wolf!" Der Wolf zerreißt die Ziege und der Jude rennt davon. Ganz erschrocken spricht er zu sich selbst: „Hättest du, Schlechte, nicht mit den Füßen gegen den Herrn Wolf angefangen, so hätte er dich nicht zerrissen". Und „Herr Wolf" .hat er so lange gesagt, als er vor dem Wolf sich noch gefürchtet hat.

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