Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 153 — Finnland 1877 Uno Cygnaeus, den Begründer des finnischen Volksschulwesens kennen, mit dem er später einen lebhaften Briefwechsel unterhielt. Unter diesem Einfluß erfaßte Salomon immer klarer die beiden Begriffe, „die Volksschule als grundlegende Lehranstalt" und „der Slöjd als formales Bildungsmittel", aber gleichzeitig auch die Notwendigkeit, den Slöjd, der in Finnland mehr dem häuslichen Fleiß überantwortet wurde, zu einem integrierenden Bestandteil der Volksschule auszugestalten, ihn auf pädagogisch-wissenschaftliche Grundlage zu stellen und die Volksschullehrer selbst zu Slöjdlehrer auszubilden. Soll der Slöjd erziehlich wirken, so muß er von den Erziehern, also den Lehrern selbst geübt werden. Seine Ideen, die zum Teil auf Fröbel und Pestalozzi fußten, praktisch durchzuführen, ging Salomon sogleich ans Werk. Die Knaben- und Mädchenslöjdschule wurden aufgehoben und aller Kraft- und Kostenaufwand dem Seminar gewidmet. An die Stelle des einjährigen Kurses traten sechswöchentliche, deren vier bis fünf jährlich abgehalten wurden, um Lehrern und Lehrerinnen aus maller Herren Ländern die Möglichkeit zu bieten, sich in Nääs zu Slöjdlehrern auszubilden. Nääs wurde zu einem pädagogischen Mekka, in dem im Laufe der Jahre viele Tausende aus Deutschland, England, Amerika, Serbien, Bulgarien, Japan, Aegypten. Siam u. a. m. Lehre und Gastfreundschaft genossen haben. Der theoretische Teil der Kurse bestand in Vorlesungen, die Salomon selbst in drei Sprachen (schwedisch, englisch und deutsch) hielt, und die „Slöjdpädagogik", d. h. Teile der allgemeinen Pädagogik und Methodik, der Psychologie, Hygiene, Aesthetik, der Geschichte der Erziehungskunst, Werkzeugtechnologie u. a. m. zum Gegenstande hatten und mit Diskussionen abschlössen. Der praktische Unterricht umfaßte Slöjd, Zeichnen und Gymnastik. Seit 1895 finden außer den Slöjdkursen auch solche zur Ausbildung von Spiellehrern und -lehrerinnen statt. Spiele im Freien, Renn-, Lauf-, Wurf-, Ballspiele wurden geübt, und zwar alle jene, die sich im In- und Ausland als Erziehungsmittel am besten bewährt hatten. 1902 wurden Gartenbaukurse, 1903 Ausbildung von Lehrerinnen in weiblicher Handarbeit und im Kochen eingeführt. Nach dem Muster von Nääs haben frühere Schüler des Seminars ähnliche Anstalten in Deutschland (Leipzig), Amerika und Indien errichtet. Das sogenannte „Nääs-System" ist in der Hauptsache das Werk des unermüdlichen, am 3. November 1907 im Alter von 58 Jahren verstorbenen Otto Salomon, der nach dem Grundsatze Pestalozzis: „Von dem Leichteren zu dem Schwereren44 dem Unterricht im Holzslöjd die gleiche feste Methode gegeben hat, wie sie die Unterweisung in Mathematik oder Sprachen kennt. Otto Salomon, der neben Ling, dem Begründer der schwedischen Heilgymnastik, als der bedeutendste Pädagog seines Vaterlandes gefeiert wird, sah sein Lebenswerk durch eine Stiftung Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1911, 3. 11