Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 150 — Henne als die leicht verdaulichsten und wohlschmeckendsten Arten dar1). Auch aus der religiösen Vorschrift, die Milch und deren Produkte wie Butter nur aus zuverlässiger Quelle für den Gebrauch zu entnehmen, erwächst unstreitig ein Vorteil in hygienischer Beziehung. Wer da weiß, welchen minderwertigen Verfälschungen und Beimischungen, die oft auch eine große Gefahr für die Gesundheit des Menschen in sich bergen, diese so wichtigen Nahrungsmittel trotz aller Kontrolle hier und da ausgesetzt sind, der wird die Bedeutung jener religionsgesetzlichen Bestimmung einsehen und würdigen. Bald wird die Milch in betrügerischer Absicht mit Wasser verdünnt und mit Fett versetzt, bald mit Natron oder Salizylsäure, Borsäure und anderen schädlichen Bestandteilen versehen. Die Verfälschungen der Butter bestehen teils in Zusätzen von weißem Käse, Getreide- oder Kartoffelmehl, Pottasche, Kreide oder Farbstoffen, welche darauf hinauslaufen, das Gewicht der Butter zu erhöhen oder ihr ein schönes Aussehen zu verleihen, teils in rituell unzulässigen Beimengungen von Fettarten, von Rindstalg und Schweinefett. Solche aus Tierfetten hergestellte oder mit ihnen stark vermischte „Butter" wird als Margarine bezeichnet und ist ein so ungeheurer Konsumartikel geworden, daß man ihrer Verwendung in Konditoreien, in Restaurants, auch da, wo man es nicht vermuten sollte, begegnen kann2). Meistens ist nämlich die Margarine so geschickt hergestellt, daß sie in Aussehen und Geschmack vollständig der echten Butter gleicht und der Unterschied nur durch eine chemische Untersuchung nachgewiesen werden kann. Alle Verfälschungen und fremden Zusätze sind samt und sonders danach angetan, den Wert der Butter, ihre Nahrhaftigkeit und Verdaulichkeit sowie ihre Appetitlichkeit herabzudrücken. Auch für den Genuß der Pflanzen erteilt das Religionsgesetz manche beachtenswerte Lehre. Die natürliche Nahrung des Menschen setzt sich ja, wie es in der Bibel3) angedeutet und später von Maimonides4) ausdrücklich betont wird, aus einem Gemisch von pflanzlichen und tierischen Produkten zusammen. Es erscheint darum verständlich, daß das Religionsgesetz5) auch für den Genuß der Pflanzenprodukte Vorschriften angibt, die sich auch in sanitärer Beziehung als überaus wertvoll erweisen. Diese Vorschriften wollen freilich nicht die betreffenden Produkte verbieten, sondern beabsichtigen nur M Die alten Talmudgelehrten schätzten den Nährwert der Eier sehr hoch (Berakhoth 44b). 2) Durch das deutsche Reichsgesetz von 1897 und durch neuerdings getroffene Bestimmungen ist dem betrügerischen Verkauf . von Margarine anstatt Butter etwas vorgebeugt. 3) An der einen Stelle (1. M. 1,29, 80) wird den Menschen die Pflanzen-, an einer anderen Stelle (1. M. 9,1—4) die tierische Nahrung empfohlen. 4) More Nebuchim III Kap. 48 S. 396, 399. b) Chulin 67 f.