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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 2
Date
1911-01-01
Page
Seite 94 (sequence 46)
Language
German
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ganzen Welt als geschlagener Mann ausgelacht werden. Der Geschlagene sagte alles zu, und nun ließ der Bocher ab und versprach baldige Hilfe. Er ging zur Frau mit einem Armensündergesicht hinauf. Diese empfing ihn in Gegenwart des Dienstmädchens und schrie ihm höhnend zu: „Habt ihrs bekommen? Seid ihr bezahlt worden für die gestohlene Ente, Kugel und Eier? Ist euch, Unverschämter, recht geschehen, daß ihr habt einen blauen Rücken bekommen. Nun habt ihr euren Lohn und bessert •euch!" Der Bocher hörte alles mit gesenktem Blick ruhig an. Als die Frau mit der höhnenden Strafpredigt endlich fertig war, sagte er ganz gelassen: „Der Herr läßt euch bitten, recht bald zu ihm in den Keller zu kommen," und entfernte sich. Im Keller erfuhr die Frau den wahren Sachverhalt. „Also", rief sie, „Du hast so geschrien? Du hast Prügel bekommen?44 „Ja, ja," jammerte -der Mann, „er hat mich gut zugerichtet, such nur den Zapfen dort im Winkel, denn ich kann mich sonst nicht wegrühren." — Als sie endlich oben waren, sagte er: „Weißt du, mein Kind, wir werden wirklich den Bochrim gut zu essen geben müssen, denn sonst spielen sie uns noch ärgere Streiche und wir hätten nur noch obendrein Schande und Spott davon." Der reiche Schnorrer. Ein sehr reicher Kaufmann hatte einen einzigen, verzogenen, exzentrischen Sohn. Als dieser herangewachsen war, hätten die Eltern gern gesehen, daß er ein reiches Mädchen heimführe. Aber ihr Zureden war vergebens. Schon hatten die tief betrübten Eltern alle Hoffnung aufgegeben, als eines Tages ein alter Schnorrer , (jüd. Bettler), geführt von seiner jungen hübschen Tochter, bettelnd im Hause erschien. Als der Sohn das Mädchen erblickte, konnte er kaum an sich halten. Er zog seinen Vater ins Nebenzimmer und überraschte ihn voller Aufregung mit der Erklärung, dies Mädchen wäre seine längst erträumte Liebe. Er müsse es zur Frau haben, sonst tue er sich ein Leid an. Die tief betrübten Eltern versuchten alles Mögliche, um ihren Sohn von der Landstreicherin abzubringen, alles war umsonst. Es blieb ihnen nichts übrig, als den Schnorrer mitsamt seiner Tochter freundlich aufzunehmen und zum Bleiben zu überreden. Man erkundigte sich, ob nicht wenigstens die Vorahnen des Schnorrers anständige Leute .gewesen seien, aber leider fiel auch die Antwort sehr trostlos aus, denn fast sämtliche Vorfahren des Schnorrers waren von derselben Gilde. Da trotzdem alle Versuche beim Sohne, ihn von dem unglücklichen Gedanken abzubringen, fruchtlos waren, letzterer außerdem die besten Anlagen hatte, schwermütig zu werden, mußte der unglückliche Vater in den sauren Apfel beißen und teilte dem Schnorrer seinen Entschluß mit. Nicht wenig war er

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