Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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— 91 — nehmen, und außerdem erwarte ich heute noch einen Gehilfen, der ebenfalls auch 6000 Rubel bei sich führt, und so bitte ich euch, diese dann noch über Sabbat aufzubewahren." — Wie vor acht Tagen sträubte sich das Paar, das Geld in Verwahrung zu nehmen. Jedoch wurde dem eindringlichen Bitten des Kaufmanns endlich nachgegeben. Dieser zog nun einen großen Geldbeutel hervor und zählte bedächtig die Gold- und Silbermünzen den gierigen Augen des Gaunerpaares vor. Währenddessen erschien der arme Betrogene und bat um Wiederherausgabe der in Verwahrung gegebenen 1200 Rubel. Der spitzbübische Gauner befürchtete, daß der neue große Diebstahl ihm entgehen würde, wenn er sich weigerte, und sagte zu seiner Frau: „Liebes Kind, bringe doch diesem Herrn dort seinen Beutel mit dem Gelde!" Nachdem dies geschehen und der Glückliche sich überzeugt hatte, daß von dem Betrage nichts fehle, auch sich bedankt und entfernt hatte, scharrte der Kaufmann sein Geld wieder rasch in den Beutel zurück und entfernte sich mit den Worten: „Lieber ehrlicher Mann! Ich habe mirs überlegt, ich werde lieber das Geld am Schabbes bei mir tragen, damit es mir Sonntag nicht gehe, wie dem da." (Er zeigte auf den Fortgehenden.) Der verschmitzte Böcher. Bekanntlich werden arme Bochrim (Talmud-Hochschüler) auf den Jeschiwos (Hochschulen) durch Gewährung von Freitischen erhalten, welche man auf die Glaubensgenossen des Ortes verteilt. Da solche junge Leute meistens einen guten Appetit mitbringen, andererseits es aber nicht an Gastgebern fehlt, die selbst gut essen, doch den armen Talmudbeflissenen einen Fasttag bei sich bereiten, so kommt es nicht selten vor, daß letztere darauf sinnen, dem Geizhals einen Schabernak zu spielen oder ihn sonst zu bessern, und um Erfindung von pfiffigen Streichen sind diese, meist recht geistreichen jungen Leute nie verlegen. Ein solcher Fall ereignete sich in der Familie eines reichen, kinderlosen, sehr geizigen Kaufmannes, von dessen Tisch die Bochrim stets hungrig weggingen, während er selbst mit seiner Frau sich opulent fütterte. — Der brave Mann war Spiritushändler. — Da kam ein neuer Studiosus auf die Jeschiwo, ein intelligenter, feiner Kopf. Sein erstes war, sich bei den Kommilitonen über die Kostverhältnisse des Ortes zu erkundigen, und so erfuhr er das Verfahren des Geizigen. Er versprach, ihn von seinem Geiz zu kurieren, nur verlangte er tatkräftige Beihilfe der Kollegen. Er erhielt in dem reichen Hause einen „Schabbestisch u (Freitisch einmal — Sonnabends — in der Woche). Er ging das erstemal hin, aß sich hungrig und orientierte sich dabei. Den nächsten Freitagabend, als er ganz allein mit seinem kleinen Teller Suppe, worin ein Stückchen Fleisch schwamm, und mit einem Stückchen I^^MIiiMitaMliataäHMiHHH iriiiiitiiiiiiiwimrirl