Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2638044-2638094-2638096--1119-2640967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 82 — Eine alte Schulordnung. Ein Beitrag zur Geschichte des indischen Schulwesens in Deutschland. O ti Von Lehrer Li. Horwitz, Cassel. Die herzogliche Franzschule in Dessau bildete ein halbes Jahrhundert (1798—1848) eine Quelle des Segens für ihr engeres und weiteres Vaterland. Von einem wohlwollenden Landesfürsten gefördert, von hochherzigen Männern unterstützt und von tüchtigen hingebenden Lehrern geleitet, konnte der in jener Anstalt .gestreute Samen die besten Früchte zeitigen. Für die Gründung der Schule waren dieselben Motive wie für die ähnlichen in Seesen, Wolfenbüttel, Frankfurt und Breslau ausschlaggebend. Ursprünglich eine Vereinsschule der CHyj "pX n~Dn, erst später Staatsanstalt, hatte das junge Unternehmen das Glück, in Dr. David Frankel, dem Enkel großer Ahnen, einen Direktor zu finden, der his an sein Greisenalter bemüht war, seiner Schule Opfer aller Art zu bringen und selbst sein ganzes Vermögen hinzugeben. Wie die „Franzschule" sich entwickelt, warum eine solche in Dessau entstehen mußte, und welche Ursachen ihr Ende herbeiführten, ist von dem Verfasser in seiner „Geschichte der herzoglichen Franzschule" auf Grund des im herzoglichen anhaltischen Staatsarchiv vorhandenen Materials eingehend erörtert worden. Wenig gekannt ist eine Verordnung aus dem Jahre 1802: „Einrichtung der Jüdischen Frey Schule in Dessau". Diese kleine Schrift bietet so viel des Interessanten aus dem inneren und äußeren Leben der Schule, daß eine Inhaltsangabe auch heute noch von manchem gelesen werden dürfte. Anzahl der Klassen. Die hiesige jüdische Freyschule bestehet künftig aus 4 Klassen, in welchen der Unterricht der Jugend vom ersten Anfange an, bis zu den Kenntnissen, welche der künftige wohlunterrichtete Mann bedarf, gehörig und zweckmäßig erteilt wird. Zweck der Schule. Dieser besteht darin: jedes Kind für seine künftige Bestimmung sowohl als Geschäftsmann hinlänglich zu unterrichten, als auch die Studierenden und diejenigen, welche sich zu Lehrern bilden wollen, genugsam vorzubereiten. Gegenstände des Unterrichts: 1. Einige Vorübungen zur Erweckung der Aufmerksamkeit und des Nachdenkens der Kinder, wie auch richtig und mit Verstände hebräisch und deutsch lesen. 2. Religionsunterricht, womit man den Unterricht in der JBibel nach Mendelssohnscher Uebersetzung und dessen hebräischem Kommentar, verbindet. Zugleich werden die Kinder auf die gewöhnlichen Gebete, nicht nur dem Texte nach, sondern auch mit