Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 58 - werde dich mit irdischen Gütern segnen. Sollte Abraham so eigennützig gewesen sein, daß er erst auf die Versicherung des göttlichen Segens hin sich herbeilassen wollte, seine Heimat zu verlassen? Doch nicht danach stand Abrahams Sinn. Ihm war bewußt, daß er in seinem Vorhaben der Ausbreitung der Gotteserkenntnis nur dann Erfolg bei den Fürsten und dem Volke haben könne, wenn Reichtum Einfluß und Vornehmheit in Verbindung mit der geistigen Oberhoheit ihm zur Seite ständen. Und sein Erfolg war auch ein großer. Dies bezeugt die Schrift durch INN "j^pDl yy)2ü nr^m Die Mehrzahlform des "p2"DD beweist, daß seine durch ihn zur wrahren Glückseligkeit geführten „Segner" zahlreich, die Einzahlform des it^pD hingegen, daß seine „Flucher", die sein hohes Streben verkannten, nur sehr gering an Zahl waren1). Der Talmud schreibt, daß es verschiedene Mittel gebe, das von Gott dem Menschen bestimmte Verhängnis zu mildern oder zu beseitigen. Mildtätigkeit ist das erste, vornehmste, wie es auch heißt: mCD HplHi „Mildtätigkeit errettet vom Tode". Das zweite ist das Gebet, so heißt es DJPBW crnnp^EEl Orb "D IpJJiPl: „Sie schrien zum Ewigen in ihrer Not. und von ihren Drangsalen errettet er sie". Das dritte ist, den ursprünglichen Namen zu verändern, wie Gott dem Abraham späterhin befahl, den Namen seines Weibes Sarai in Sara zu ändern, wonach der Fluch der Kinderlosigkeit von ihr genommen wurde. Besserung des Lebenswandels ist das vierte Mittel, und das fünfte: Verlassen des Wohnsitzes, in dem das Glück einem nicht iiold gewesen2). 124"H vb$ "12"! "Wae lTüDK 1^1. Und Abram ging, wie ihn Gott geheißen. Er zählte damals schon fünfundsiebzig Jahre und Gott verhieß ihm, so erzählt der Midrasch, daß seine fromme Willfährigkeit es veranlasse, daß einst dem bedrängten Israel in höchster Not eine Retterin in Königin Esther erstehen werde8). 12 5 pPi2 T&V T£\X Wöjn n*fl. Und die Seelen, die sie in Charan gemacht — Abraham führte die Männer, Sara die Frauen auf den lichten Weg der Gotteserkenntnis, so wurden sie die Erzeuger ihrer geistigen Wohlfahrt, ihrer Lebensberechtigung; daher der Ausdruck Wg. — So lehrt auch der Talmud: Wer seinen Gefährten in die Bahn der Gottesfurcht und des Thorastudiums leitet, dem wird es angerechnet, als habe er ihn erschaffen4). 12 ^"1iO TN \jJ732m Und der Kenaani war damals im Lande. Der mächtige kenaanitische König residierte noch im Lande. Abraham, der seine Macht fürchtete, baute wohl dort dem Ewigen einen Altar, doch hütete er sich, den Namen Gottes anzurufen, d. h. für die Ausbreitung der Gottesidee öffentlich zu wirken; J) Bech. z. St. -) Raschi u. Bech. z. St. 3) Raschi z. St. 4) Bech. z. St.