Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — Kain und sprach: Warum verdrießt es dich, daß ich deine Gabe versehmähe? Wenn du gut bist, wird mir auch dein Opfer wohlgefällig sein, doch wenu du so fortfährst, wirst du der bösen Begierde Sklave sein, 4 i yy} HKün Pins1?, sie wird dich zu den Pforten der Holle führen, während du sonst über sie herrschen könntest. — Der Engel der bösen Begierde schreckt auf der Mitte des Weges, und den, der hoffärtig und stolzen Sinnes ist, reizt er zur Sünde und führt ihn ins Verderben. — 4s OHIVD TPl. Und einst, als die beiden Brüder auf dem Felde waren, kamen sie miteinander in Streit. Sie wollten die Erde unter sich teilen, und jeder wollte den Boden besitzen, den sie eben betreten, jeder wünschte, daß einst auf seinem Anteil das Heiligtum stehe, und jeder wollte die beiden Schwestern besitzen, die zu gleicher Zeit mit Hebel geboren waren. Und Hebel warf den Kain zu Boden. Da bat Kain, ihn zu schonen, da sie doch Brüder seien. Hebel erbarmte sich sein, ließ ab von ihm und wurde von Kain erschlagen. — Das lehrt, daß man mit dem Bösen nicht zu barmherzig verfahren solle, weil Undank seine Vergeltung ist1). Und wer hat Hebel begraben? Da meint Eabbi Elieser. Sohn O / des Pedath: Die Vogel, die später Israel zum Genüsse erlaubt wurden, seien gekommen, ihn zu beerdigen und sein fließendes Blut zu bedecken. Darum wurde Israel befohlen, das Blut der Vögel, das beim Schlachten mit dem fliehenden Leben entströmt, gleich erbarmungsvoll zu bedecken. 49 " ^^1. Und Gott kam zu Kain und fragte: Wo ist Hebel dein Bruder? Und Kain antwortete: Ich weiß es nicht. Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Da sprach Gott: 4 io "pHN '"EH Tip Das Blut deines Bruders und derer, die von ihm hätten abstammen können, wenn du ihn nicht gemordet, zeugt furchtbar gegen dich2). Kain, erschüttert von der Wucht seiner Schuld, fragte, ob denn nichts sein Verbrechen sühnen könnne. So werde der erste, der ihm begegne, ihn erschlagen dürfen. Und der allerbarmende Gott, der dem Sünder Eaum und Zeit zur Umkehr läßt, machte ihm ein Zeichen, auf daß ihn nicht jeder töte, der ihn finde. Ueber die Natur dieses Zeichens wird Verschiedenes vermutet. Nach manchen soll ihm Gott ein Horn auf die Stirne gesetzt haben. Andere behaupten, er habe ihm einen Hund als Beschützer mitgegeben oder ihm einen Buchstaben seines heiligen Namens auf die Stirne geschrieben3). (Fortsetzung folgt.) M- GrR. z. St. ßachja p. 33 c. 3) Pirke d. R. E. K. 22.