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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 48

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 48 (sequence 48)
Language
German
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— 48 — Bücherschau. Dr. Jaques Fa'itlovitch. Quer durch AbessinieD. Meine zweite Reise zu den Falaschas. Mit 60 Illustrationen nach Originaiaufnahmen und einer geographischen Karte. Berlin, M. Foppelauer, 1910. XI, 188 'S. 8°. Geb. Mk. 6. Endlich ein Buch über die Falaschas! Man greift freudig zu, legt es aber enttäuscht aus der Hand, denn es ist eigentlich kein Buch über die Falaschas, sondern ein weitläufiger Bericht über eine Reise in die von den Falaschas bewohnten Gebiete. Vergebens sucht man Angaben über Geschichte und Ursprung der Falaschas, sowie Schilderungen ihrer geistigen und materiellen Kultur, wenn man nicht einige Fußnoten dafür halten will. In dieser Beziehung war der kurze hier seinerzeit besprochene (1906, S. 155) Bericht über die erste Reise des Verfassers für die Wissenschaft viel interessanter. Der Hauptzweck des Buches ist die Propaganda für die Falaschas unter ihren europäischen Glaubensgenossen und die Auseinandersetzung mit der Alliance Israelite Universelle, deren Verhalten in der Falaschenfrage scharfe Kritik erfahren hat. Beides ließe sich auf anderem Wege, vielleicht durch passende Artikel in der Tagespresse, wohl besser erreichen. Im großen und ganzen bietet das Buch weder über Abessinien noch über die Falaschas etwas Neues, und doch merkt man es, daß der Verfasser alle nötigen Kenntnisse besitzt, sowie ein großes Material gesammelt hat, nur ist es ganz unbegreiflich, weshalb eine lebendige Schilderung der Falaschas auch diesmal ausgeblieben ist. Sehr schade, denn Dr. Faitlovitch ist einstweilen der einzige Mann, der uns mit einem wirklich guten Buche über die Falaschas erfreuen könnte. Der Preis des Buches ist zu hoch gegriffen, denn die Karte sowie die meisten Abbildungen sind leider unter jeder Kritik und könnten ruhig weggelassen werden. Dr. S. Wrissenberg. J. Zollschan, Das Rassenproblem. Wien und Leipzig 1910, W. Braumüller. VII u. 492 S. Mit sicherer Meisterhand baut Z. Stein auf Stein seine Prämissen auf und fest steht man auf der Plattform seiner Schlüsse. Kein Zagen spürt man, keinen Schwindel, gewiß sind wir der zuverlässigen Leitung des kundigen Führers. Immer höher geht's, der Gipfel ist erklommen, eine Gloriole ei wartet man, ein altes Volk strahlend im frischen Ruhmesglanz, den Z. ihm gewoben. Plötzlich erfahren wir von ihm selbst, daß uns eine Pyramide trägt, zum Grabmal bestimmt für das alte Volk. „Auflösung der Rasse oder physische Degeneration", so lautet sein tristes Prognostikon. Als Forscher verdient er unseren vollen Beifall, dem Propheten versagen wir den Glauben. R. L.1) Ludolf Silvanns, Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes. München, Max Kellerer's Hofbuchhandlung. Mk. 2. Der durch seine Gedichte aus dem Bayerwaide bekannte Herausgeber bietet hier einen Blütenkranz von Gedichten und Erzählungen, teils eigene Schöpfungen, teils Entlehnungen aus Stifter, Hartmann, Apel, Platen, Pocci, Maximilian Schmidt, Grimm, des Knaben Wunderhorn u. a. m., denen nachweisbar oder vermutlich Volksüberlieferungen zugrunde liegen. Längst vertraute Gestalten begegnen uns da, wie der Bischof Pilgrin aus dem Nibelungenliede. Der Schimmel ohne Kopf erinnert an ein Motiv der Raschisagen, von Hussiten- und Schwedennot klingt es hin und wieder. Das Büchlein erweist von neuein den Sagenreichtum dieser Gegenden. X. A. U. Afanassjew, Russische Volksmärchen. Neue Folge. Deutsch von Anna Meyer, Verlag Dr. Rud. Ludwig, Wien 1910. Diese vorzüglich übersetzten Märchen übertreffen noch an Wert die erste, vor vier Jahren erschienene Märchensammlung Af.'s. In ihnen spiegelt sich der russische Volkscharakter sehr bezeichnend wieder. R. Speidel L., Heilige Zeiten, Berlin 1910, Meyer und Jessen. Dieser 3. Bd. der von uns im 36. Heft bereits besprochenen Speidel-Ausgabe streift die Geschichte der Wanderung unserer Märchen und die Bedeutung der Juden in diesem Kapitel, die Verdienste der Brüder Grimm werden gewürdigt, in der Form von Weihnachtsgaben Perlen edelster „Volkskunde" gespendet. X. J) Während des Druckes ist eine 2. Auflage des Buches erschienen. D. Herausg. Diuck von Max ikhmersow, Kircbhain N.-L.

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