Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2638044-2638094-2638095--1081-2640928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

- 45 — 218 rcb D"Uxn HlVi 2Y£ *6. Die Geschöpfe, so sagte sich Gott, werden den Menschen für gottähnlich halten, da er wie der Schöpfer im Weltall allein und selbständig auf Erden residiert; darum ists besser, wenn ich ein Weib zu ihm geselle1). 219 W N1H *6 $T)pi h2\ Gott führte dem Menschen alle Tiere vor, daß er ihnen nach ihren Eigenschaften Namen gebe. Als Adam nun sah, daß alle Tiere sich paarten und nur er einsam in der Schöpfung hause, verlangte ihn nach einer Gehilfin, die ihm ebenbürtig an Geist und Schönheit sei, doch unter den vorhandenen Geschöpfen fand er keines, das er dafür geeignet hielt2). nJDTin Und Gott senkte auf Adam einen tiefen Schlaf — ein Wink für den Ehemann, daß er den Schwächen seines Weibes gegenüber sich verhalten solle als ob er schliefe — und bildete von einer seiner Rippen das Weib. Der Schöpfer sagte sich: Ich will sie nicht von einem Teile des Kopfes formen, damit sie den Kopf nicht zu hoch trage, nicht vom Ohr und dem Auge, damit sie nicht nach allem höre und schaue, nicht vom Munde, daß sie nicht plauderhaft sei, nicht vom Herzen, daß sie nicht der vom Herzen entstammende Neid beherrsche, nicht von Hand und Fuß, daß sie nicht nach allem greife und laufe, sondern von der verborgenen Rippe, auf daß sie bescheiden und tugendhaft im stillen wirke3). 2i CHy rpn tarurp. Die Schlange, die neidisch war, auf des Menschenpaares Glück, beschloß, es zu verderben. Und sie fragte das Weib, warum es nicht von der Frucht jenes Baumes genieße, sie würde durch diesen Genuß wissend wie die Engel werden. Das Weib erwiderte: Gott hat uns verboten, von der Frucht zu genießen und den Baum auch nur zu berühren, ein Uebertreten dieses Verbotes würde uns den Tod bringen. Da ergriff die Sehlange des Weibes Hand und führte sie an den Baum, so daß sie ihn berühren mußte. Du hast ihn berührt, sagte die Schlange, und du lebst noch; so wird dir auch das Genießen der Frucht nicht schaden. Da aß das Weib von der Frucht, und fürchtend, daß, wenn sie sterben müsse, der Mann sie überlebe und ein anderes Weib heimführe4), gab sie auch ihrem Manne davon und er aß. Adam war in einem verhängnisvollen Irrtum befangen. Er meinte nämlich, nicht das Genießen der Früchte sei ihnen verboten, es sei ihnen vielmehr nur versagt, die heilige Stätte zu betreten, der der Baum der Erkenntnis entsprossen. Da nun aber die Frucht dem Orte entrückt war, hielt er es für erlaubt, sie zu genießen. — Andere meinen: Adam habe sich gesagt, da der Mann bestimmt sei, den Anforderungen der heiligen Wissenschaft zu genügen, das Weib jedoch für die Bereitung der Speisen zu sorgen, *) Bachja p. 26d. 2) Raschi II 20. 8) GR. 4j Raschi III 6.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.