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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 43 (sequence 43)
Language
German
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- 43 — tausend; in dem Adam, das Licht der Welt, lebte. Der zweite Tag, an dem die Himmel von den Wassern geschieden wurden, vergegenwärtigt das zweite Jahrtausend, in dem Noa wirkte, der, von dem sündigen Geschlecht geschieden, allein von der Sintflut übrig blieb. Und weil in diesem Jahrtausend die Menschheit zu Grunde ging, schrieb der Erbarmungsvolle am zweiten Tage nicht T. Der dritte Tag, an dem die Früchte und Kräuter erstanden, deutet auf das dritte Jahrtausend, in dem Abraham die Früchte der Erkenntnis, der Gotteslehre, sprießen machte. Am vierten Schöpfungstage wurden die zwei Leuchten erschaffen, ein Sinnbild der zwei Heiligtümer in Jerusalem, die im vierten Jahrtausend blühten. Der fünfte, der Schöpfungstag der Vögel und Fische, stellt das fünfte Jahrtausend dar, in dem Israel den Völkern gegenüber vogelfrei und wie die Fische gefangen wurde in den Netzen des Hasses und der Unduldsamkeit. Und der sechste Tag, an dem die Krone der Schöpfung, der Mensch, die Welt betrat, soll uns ein Wahrzeichen sein, daß im sechsten Jahrtausend die Welt ihrem heiligen Ziele zueilt, das im siebenten Jahrtausend, dem Sabbate der Menschheit, in seiner glorreichen Vollendung erreicht wird1). Um das hohe Verdienst des den Sabbat Heiligenden zu kennzeichnen, erzählt der Midrasch Rabba: Rabbi Chija, Sohn des Abba, kehrte einst in der Stadt Laodicaea bei einem Manne ein, bei dem auf goldenen Gefäßen ein königliches Mahl aufgetragen wurde. Der Rabbi fragte ihn, durch welches Verdienst er solchen Reichtum erworben habe. „Der Mann entgegnete, er sei Schlachter gewesen und habe das beste Vieh, das er im Laufe der Woche habe erwerben können, immer für den Sabbat bewahrt". — Ein vornehmer Mann sandte einst am Rüsttage zum Versöhnungsfeste auf den Markt, um Fische einkaufen zu lassen. Der Diener traf dort einen armen jüdischen Schneider, der vor seinen Augen für den schönsten Fisch einen hohen Preis bezahlte. Als es dem reichen Manne hinterbracht wurde, ließ er den Schneider rufen und fragte ihn, wie er dazu gekommen sei, seinem Diener den teuren Fisch wegzukaufen. Nur aus Herzensfreude, erwiderte dieser, über den bevorstehenden Tag, der ihm Sühne für seine Vergehen bringen werde. Der arme Mann ging nach Hause, öffnete den Fisch, und eine kostbare Perle, die er in den Eingeweiden des Fisches fand, belohnte ihn für seine Gottesfurcht. — Rabbi lud den Kaiser Antonin zum Essen ein. Es war am Sabbat. Er brachte ihm kalte Speisen, und der Kaiser war entzückt über deren Wohlgeschmack. Ein anderesmal, als er ihm am Werktage warme Speisen vorsetzte, bemerkte, der Kaiser, daß er den kalten Speisen den Vorzug gebe. Heute, entgegnete Rabbi kann ich dir solche Speisen nicht vorsetzen, denn mir fehlt heute das Gewürz, das ihm jenen Wohlgeschmack verleiht — das Gewürz, das dir alle deine Schätze nicht verschaffen können, sein *) Bacbja p. 20 e.

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