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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German
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— 38 — wählt nur jene Sagen, die den Geist anregen, das Gemüt erquicken, das verschmachtende Herz aufrichten, oder Erklärungen, die dem Wortsinn nahe stehen. Es ist leicht begreiflich, welchen gewaltigen Eindruck die Schilderung Jakobs von dem Begräbnis Rachels auf das weiche, bedrückte Gemüt der Leser machte. Zahlreiche Sagen solcher Art fanden durch Rasehis Werk Verbreitung, und dank der TJebersetzung Jakob Aschkenazis sind sie den weitesten Kreisen des Volkes zugänglich gemacht worden. Ganz anderer Art ist die Schrifterklärung des Bachja ben Ascher ibn Chalawa, sie war jedoch nicht minder beliebt und fand einen großen Leserkreis. Bachja wollte mit seinem Werke der in seiner Zeit verlassenen Lehre Ehre uud Recht verschaffen, das Studium der Tora fördern und seine Brüder aus dem Netze des kleinlichen Alltagslebens reißen (vgl. Bernstein im „Magazin" 1891, p. 46). Der Kommentar Bachjas war die Lieblingslektüre der gebildeteren Kreise im 16. und 17. Jahrhundert. Jakob Aschkenazi griff mit Vorliebe zu dieser Schrift, um die darin enthaltenen Schätze der des Hebräischen nicht kundigen Leserwelt mitzuteilen. Wie gering auch die Leistung Aschkenazis an sich war, sein Verdienst ist groß genug, denn seine Uebersetzung entsprach einem dringenden Zeitbedürfnisse. Aber Aschkenazi verstand es auch, einen traulichen und passenden Ton anzuschlagen. Seine Fragen und Antworten zur Lösung exegetischer Schwierigkeiten atmen Leben. Die reiche Literatur der Vorgänger benützt er mit Wahl und Geschick. „Jedesmal strebt er danach, die Beweggründe der Handlungen und Reden darzulegen, die Typen werden lebensvoll charakterisiert, geeignete Erzählungen und Legenden aus älterer und neuerer Zeit bilden den Einschlag zum fortlaufenden Auslegungsfaden." So charakterisiert Frankl (Ueber die Erbauungs¬ und Unterhaltungslektüre unserer Altvordern, Monatsschrift 1885, 35, p. 154) die Methode des Kompilators. Das Werk Aschkenazis erfreute sich solcher Beliebtheit, daß es in einem Jahrhundert 26 mal aufgelegt wurde. n*6tti pan rb rWN~D Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und öde und Finsternis über dem Abgrund, und des Ewigen heiliger Thron schwebte über den Wassern. Die heilige Schrift beginnt mit einem 2. Das soll uns lehren: Wie bei diesem Buchstaben drei Seiten geschlossen, die vierte Seite aber offen ist, so hat auch der Schöpfer drei Seiten des Alls geschaffen, die vierte aber — nach Norden — ließ er offen, den Nationen bedeutend: Lasset doch eure Götter kommen, die ihr für allvermögend haltet, damit sie die Welt vollenden1). — Eine andere *) Bachja.

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