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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 37

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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— 37 - Zeena ureena. Ins Hochdeutsche übertragen von SaL Goldscltmidt. Eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Dr. A. llarmorsteiii. Einleitung. Drei Sammelwerke ergötzten unsere Altvordern in ihren freien Stunden. Diese sind: das Werk Ti^DD m^B des Isak Aboab, die Schrift t^EOl"! nnEt2> von Hendl Kirchhain und das Buch n^^Ol nJWH des Jakob ben Isak Aschkenazi aus Prag. Alle drei Schriften sind Kompilationen verschiedener Schriften (s. Brüll, Jahrbücher, Bd. II, p. 166; Steinschneider, Hebr. Bibl. 1876 p. 86). Die an dritter Stelle erwähnte Schrift enthält eine j.-d. Uebersetzung der hebräischen Erklärungen zum Pentateuch, zu den Haftarot und zu den fünf Köllen (Megülot). Die volkstümlichen Bearbeitungen und Erläuterungen der Sagen und Legenden, der Wortdeutungen und Erklärungen im Talmud und Midrasch bildeten die Lieblingslektüre des Volkes, bes. der Mädchen und Frauen, in den Judengassen und haben sehr viel zur religiösen und sittlichen Erziehung und zur Hebung der Gesittung beigetragen. Wir können uns heute noch lebhaft die Wirkung, welche die schlichten, volkstümlichen, allgemein verständlichen Schriften auf das empfängliche Gemüt der von den Geistesströmungen und Zeitbewegungen abseits lebenden Ghettobewohner ausübten, vorstellen. Die Sagen und Märchen von den Urvätern und Stammüttern, von den Propheten und Lehrern, von den erhabenen Helden und Fürsten der Bibel erschienen den Leserinnen und Lesern überaus reizvoll und gemüterhebend. Die reichhaltige Literatur in jüd.-deutscher Sprache hat in neuer Zeit viele Bearbeiter und Forscher gefunden, doch wurde das Hauptaugenmerk den Erzählungswerken, Liedern und Dichtungen zugewendet. Dauernder als deren Wirkung war der Einfluß der obenerwähnten drei Sammelwerke. Wir wollen hier die Quellen des an dritter Stelle erwähnten Werkes, des jüdisch-deutschen Bibelkommentars des Jakob ben Isak Aschkenazi aus Prag, von dem Auszüge den Lesern der Mitteilungen vorgelegt werden sollen, angeben. Als Quellen benützte der Kompilator zwei weitverbreitete und vielgelesene Bibelerklärungen. Er hat selbst die allgemein bekannten Midrasch werke nicht als erste Quelle zitiert, sondern sie jenen zwei Schrifter klärern entlehnt. Die Wahl der Quellen kann aber jedenfalls eine glückliche genannt werden. R. Salomo ben Isaks (vulgo Raschi genannt) und R. Bach ja ibn Ascher ibn Chalawas Kommentare wurden von Aschkenazi übersetzt. Von altersher wetteiferten zwei Arten der Schriftauslegung miteinander: die einfache und die agadische oder sagendurchsetzte Exegese Raschi war wohl der letzteMidraschsammler, aber auch der erste, bei dem die Berücksichtigung des einfachen Wortsinnes einen größeren Raum einnimmt. Raschi, der berühmte „Parsehandata", bekundet in der Wahl seiner Midraschim einen feinen Takt; er

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