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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 35 (sequence 35)
Language
German
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— 35 — Die jüdische Arrenda war früher Eigentum der Khilla und hatte das Recht, drei Kessel Koscherbranntwein zu kochen. Als sie 1734 verkauft wurde, behielt sich der Fürst-Erzbischof das Einstandsrecht, die Verkaufsmeldung und 5 % Laudemium vor. Der Besitzer durfte kein Schwarzvieh halten, und keinem Juden wurde gestattet, anderen als in dieser Arrenda erzeugten Branntwein zu kaufen und auszuschenken, sowie bei Strafe nur zu eigenem Gebrauche mehr als 4 Quart fremden Branntwein einzuführen. An Unterrichts anstalte n unterhielt die Gemeinde die Trivial- und Wiederholungsschule. Die ersten Nachrichten über die Gemeindeschule reichen, wie bereits bekannt, bis zum Jahre 1570 zurück. Später besuchten die Kinder die Stadtschule und erhielten von zwei Gemeindemitgliedern Unterricht in der hebräischen Sprache und in der Bibel. Im Jahre 1803 wurde die jüdische Trivialschule systemisiert. An dieser Schule wirkte auch der als pädagogischer Schriftsteller bekannte Lehrer Israel Wilheim Kohn durch 55 Jahre. Im Jahre 1816 zählte die Schule 180 Kinder, 1833 — 120 mit einem Lehrer und einem Gehilfen. Im Jahre 1870 wurde sie aufgelöst und die vorhandenen 14 Schüler der städtischen Volks- und Bürgerschule zugeteilt. Die Khilla besitzt für Unterricht auch mehrere Stiftungen. Nahe der Synagoge, durch die Stadtmauer getrennt, befindet sich der Friedhof, in dem durch fünf Jahrhunderte Juden ihre letzte Euhestätte fanden. Hier liegen die Vorfahren sehr vieler in Schlesien und Mähren verbreiteter Judenfamilien. Wie bereits erwähnt, besteht er aus dem vorderen älteren Teile am steilen Bergabhange und aus einem hinteren, größeren Stück im ehemaligen Wallgraben und auf der Parchaue. Er sieht gar wunderlich aus. Es isv, der einzige Ort, der noch mit seinem altjüdischen Gepräge von einer längst vergangenen Zeit deutlich zu uns spricht. Grabhügel sind größtenteils nicht mehr vorhanden, die alten Grabsteine stehen schief, oft dicht neben- und dicht hintereinander in regelloser Anordnung. Man vermißt Wege, welche die Gräber in Gruppen teilten. Man schreitet über die mit Gras bewachsenen Leichenhügel dahin, zwängt sich durch die Gedenksteine, auf dem unebenen Abhänge bergauf, bergab. Viele der ältesten Grabdenkmäler sind, so sie hölzern waren, 1802 verbrannt, die Steintafeln aber wegen Schadhaftigkeit und durch daran haftende Vegetation schwer zu entziffern, andere hinweggekommen. In dem „Gelehrtenwinkel" begrub man die Rabbiner. Durch ihre bedeutende Bildung begründeten sie das Ansehen und die Bedeutung der Hotzenplotzer Kultusgemeinde als einer der hervorragendsten Schlesiens. So erwähnt auch Rabbi Benjamin Ahron ben Abraham Salunik die Judengemeinde Hotzenplotz ehrenvoll in seinen Rechtsgutachten, welche im Jahre 5390 (1630) zu Krakau unter dem Titel „Masus Benjamin" gedruckt wurden. Die Gemeinde spielte ferner eine bedeutende Rolle bei Gelegenheit der Emder-Eibeschütz-Fehde im Jahre 1751, indem von hier aus der Bann gegen die Feinde des 3*

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