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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 34

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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— 34 — Holzbauten und 1728 gab es darin noch 5 gemauerte Gassenstiegen und 5 gezimmerte Stege querüber, unter welchen die Wagen hinwegfuhren. Viele Häuser waren Familiantenhäuser. d. h. in mehrere, zwei bis acht Anteile geteilt als Wohnsitze für ebenso viele Familien. Dieser Brauch, daß ein Haus in mehrere Anteile geteilt wurde, erklärt sich daraus, daß sich jeder Jude, der heiraten wollte, als Eigentümer einer Wohnung ausweisen mußte. Da sich nun nicht jeder ein Haus kaufen oder bauen konnte, half man sich damit, daß man ein oder mehrere Wohnräume kaufte. Aus 21 geschlossenen und vermauerten Verkaufsgewölben in diesen Häusern schließt man auf einen früheren bedeutenden Lokalhandel. Im ganzen bildeten einst 32 Häuser das Grundbuch der Juden. In 21 Christenhäusern wohnten sie bis zum Jahre 1850. Unter den Gebäuden in der Judenstadt sind zu nennen die Synagoge, die Arrenda (No. XXI u. XXII), das Schulhaus mit der Rabbinerwohnung, das Gemeindehaus, das Badhaus am Mühlgraben und das Armenhaus, das 1664 zur Unterkunft Siecher und Obdachloser erbaut wurde. Die Synagoge wurde 1570 zum Teile auf der Stelle, da einst die Burg des Bischofs von Olmütz, des Grafen Bruno von Schaumburg - Holstein (1245—1281) stand, erbaut, brannte aber bereits 1625 ab und wurde durch eine ähnliche ersetzt. Bei dem großen Brand im Jahre 1802 ging, wie bereits erwähnt, auch diese zugrunde. Von ihr ist nur noch bekannt, daß sie an ihrer Pforte die Inschrift trug: p"Z>b HBt^ rtitSQ d. i. i. J. 5385 (1625) Die neue Synagoge wurde auf dem alten Platz laut Bauvertrag dt. 11. Juni 1806 von den Baumeistern Harkander, Thalherr und Johann Mitatsch in den Jahren 1807 und 1808 um die Summe von 10000 Gulden erbairjt und von Wohltätern ausgestattet. Oberhalb des Haupteinganges befindet sich ein Gedenkstein mit hebräischer Inschrift des Inhaltes: [Haggai II 9] „Größer wird sein die Herrlichkeit des letzten Hauses als jene des ersten. 1808." Auch dieser Bau blieb nicht lange Zeit unversehrt. Am 29. Mai 1833 brannte er und mit ihm die Arrenda nebst 27 Häusern in der mittleren und unteren Judengasse bis No. XXII ab. Die Syuagoge besitzt mehrere wertvolle Kleinodien. Zu erwähnen wäre der Sabbatbecher. Es ist dies ein Krug mit Henkel und Deckel aus getriebenem Silber, stark vergoldet. Er besitzt ein hohes Alter. Auf dem Deckel steht eine Figur aus Silber, einen Auswanderer auf einen Stab gestützt darstellend. In seinem Umfange zeigt der Krug drei en relief-Bilder, Krieger vor Festungen darstellend. Das Ganze ist ein Kunstwerk von besonderem Werte, deutet auf die Einwanderung der Juden hin und dürfte in Nürnberg oder Augsburg verfertigt worden sein. Leib Berisch schenkte 1812 dieses Weihegefäß der Synagoge. Der Boden des Bechers trägt die Inschrift: „Dieser Becher ist ein Geschenk des Leb, Sohn des S.....und dessen Gattin Lea aus Warschau 5572."

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