Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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- 33 - unterhalt". Deshalb wanderten wiederum zahlreich, christliche Gewerbsleute und Juden aus. Die Zahl dieser betrug im Jahre 1788 noch immer 596 mit 30 Häusern gegenüber den Christen mit 1977 Seelen und 305 Häusern. Dieser lange Krieg mit seiner großen Not hatte jedoch die Judengemeinde nicht so sehr herabgebracht, daß sie sich nicht mehr hätte erholen können. Im Gegenteil, vom Jahre 1799, da sie nur mehr 510 Seelen zählte, steigt die Einwohnerzahl bis zum Jahre 1802. Bis 1800 besaß die Gemeinde 39 Häuser, und 1802 erreichte sie die höchste Bevölkerungsziffer. Sie zählte 153 Familien mit 845 Mitgliedern. In dem genannten Jahre brannte die ganze Stadt bis auf wenige Häuser nieder. Von der Judenstadt blieben nur drei Häuser außerhalb des Niedertores stehen. Das Feuer war am 24. August llh nachts auf dem Boden der jüdischen Arrenda höchst wahrscheinlich durch die Unvorsichtigkeit der Magd Sara Mayer ausgebrochen und legte nach allen Seiten hin die Stadt binnen drei Stunden in Asche. Inder Judenstadt gin gen 2 6 Häuser römisch er Zahl mit Warenniederlagen zugrunde. Die Synagoge brannte nieder, 32 Thorarollen, das ganze Archiv, sowie viele hölzerne Grabdenkmäler auf dem nahen Friedhofe. Große Warenvorräte, Geld, Gold, Silber, Kisten voll Zinngeschirr, 500 Jahre alte Kleinodien, Pergamente und Bücher vertilgte das Feuer. Von da ab verarmte die Judengemeinde sichtlich. Schon im Jahre 1804 zählte sie nur mehr 510 Angehörige. Diese Zahl stieg zwar wieder, so in den Jahren 1832 auf 650, 1837 auf 667, 1842 auf 671, erreichte aber nie mehr die Höhe wie im Jahre 1802. Als man 1815, also nicht lange Zeit nach dem Brande, die seit 1789 im Reluitionsbetrage gezahlten 292 fl. obrigkeitlichen Schutzzinses (Schutzdukaten) abermals in der alten Höhe von 135 Speziesdukaten für ebenso viele Familiantenstellen und mit 8 Dukaten Rabbinertaxe von der Gemeinde verlangte, führte dies zu Klagen. Erst (act. Troppau), am 19. Januar 1825 kam hierüber ein Vergleich zustande, und Erzherzog Kardinal Rudolf genehmigte, daß dieser Schutzzins mit 300 fl. und die Rabbinertaxe mit 12 fl. W. W. zu entrichten sei, mit der Bestimmung, daß, falls eine andere Währung eingeführt würde, auch diese Beträge in derselben zu zahlen sei. Infolge fürsterzbischöflicher Resolution vom 20. November 1833 wurde dieser Zins auf jährliche 358 fl. W. W. festgesetzt, bis er 1848 ganz entfiel. Die niedergebrannte alte Judenstadt erstreckte sich seit 1420 innerhalb der Stadtmauer in einer gekrümmten Gasse vom Neustädtertore bis zum Niedertore und teilte sich in die obere, mittlere und untere Judengasse, das Schloßgassel oder Synagogengassei, den Synagogenplatz und den Niedertorberg oder Judenberg. Außerhalb des Niedertores lagen dann noch die vier ältesten Judenhäuser, das Judenspital und der Friedhof. Dieser Stadtteil ist nun gepflastert. Einst sah es darin ganz anders aus. Die Gassen waren meist Hohlwege, 32 Häuser waren 1—2 Stock hohe Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1911, 1. 3