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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
14 (1911)
Issue
Heft 1
Date
1911-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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— 27 — Jesaias oder Lazarus) und — seit dem 15. Jahrhundert — durch Anfügen eines „mann" [Heimann aus Hajem, Liebmann, Hirschmann, Ulmann aus Jul Joel und Gutmann verdeutscht aus Tobias (hebr. tob gut]. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts findet sich auch der Brauch, den Kindern doppelte Vornamen zu geben (1457 z. B. Jakob Seligmann); doch ist diese Sitte verhältnismäßig selten, und die zweiten Namen sind vielfach eine Art Vaternamen nach dem Vorbild ben Israel (Salomon [ben] Juda). Früher fing man auch an, dem Rufnamen eines Juden den Herkunftsort beizusetzen [1400 Isaak von Oppenheim, 1500 Jakob von) Weil, 1680 David Günzburger]. Als Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Regierungen der einzelnen Staaten den Juden die ständige Führung fester Familiennamen geboten, behielt ein großer Teil die hergebrachten hebräischen Namen, ein anderer die Beinamen wie Weiß, Schwarz bei; der dritte erkor (in Schwaben verhältnismäßig wenige) an orientalische Bildersprache erinnernde Namen wie Rosenbusch, Sternglanz1). Manche griffen zu Benennungen, die nach Art unserer Ortsnamen in blumenreicher Sprache erfunden waren, wie Steinfeld, Liebenthal, Rosenthal. Die große Mehrzahl aber führte die echten Heimatnamen, und zwar allgemeine wie Elsäßer, Schweizer, oder solche nach dem Wohnort der Familie (Bayreuther, Homburger usw.) bei. Wir haben länger bei der Anzeige der Miedeischen Studie verweilt, um den jüdischen Lesern eine Handhabe zu geben, über ihre eigenen Namen nachzudenken und um ihnen nahezulegen, alle ihnen zu Gebote stehenden Archivalien auf jüdische Namen hin zu untersuchen. Eine solche Arbeit kann auch der Laie leisten! Erst dann, wenn die Namen der Juden älterer und neuerer Zeit aus allen Gegenden gebucht vorliegen, wird es möglich sein, auch ein jüdisches Namenbuch für das gesamte Deutschland zu fertigen, wie wir solcher mehrere für die Namengebung der deutschen Christen haben. ' Ganz besonders. aber fordert der heute allerseits erkannte Wert der Familienforschung nachgerade dazu heraus, über die Herkunft der Geschlechter näheren Aufschluß zu erhalten und auch eine Uebersicht über solche Orte zu liefern, die ehedem jüdische Bevölkerung hatten. 3) Diese Namen wurden oft von der Behörde gegeben. D. Herausg.

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