Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 14 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 26 - Während die heutigen jüdischen Namen aus mindestens zwei Bezeichnungen bestehen, von denen die zweite einem ganzen Geschlechte zukommt, waren die ältesten jüdischen Namen wirkliche Personennamen. Sie gehören allein der Person, für die sie geschaffen sind und die daneben keinen zweiten Namen führt. In dieser Hinsicht stimmt die hebräische Namengebung ganz mit der hellenischen und der germanischen überein. Die älteste Namengebung der Juden hatte einen ausgesprochenen religiösen Charakter, gemäß dem frommen Sinn, der bei den Israeliten vorwaltete. Hierher stellt Miedel schwäbische Namen wie Amsel 1571 (zu hebr. amöz stark1), Gerschone, (Derschen, Gerst, Gerstlm 1538, Gerstle (zu hebr. gerschom Fremdling), Achel (verkürzt aus Joachim zu hebr. Jöjakim), Eisig, Eisigle, Eiselen, Säcklin (1571), Seekele (sämtlich zu Isak gehörig), Biesele, daneben Wiesele (Koseformen zu hebr. Tobijah); ferner die ganz geläufigen Lazarus, Moses, Salomo mit allen dialektischen Abweichungen, die sich im Laufeder Jahrhunderte herausbildeten, insofern die hebräischenNamen auch hinsichtlich ihrer Verkleinerungs- und Koseformen im allgemeinen der deutschen Lautgebung sich anpaßten. Zu dieser Gruppe der althergebrachten Namen gehört auch der Typus Herz neben Hirsch, welche beide auf eine Uebersetzung des hebr. leb (=Herz) zurückgehen; desgleichen Löb, Wolf und Bär, die mit Beziehung auf Stellen wie 2 Sam. 17,8 und 1 Mos. 49,21 gewählt sein dürften. Als im 15./16. Jahrhundert die von den Eltern beigelegten Namen zu deutlicher Bezeichnung nicht mehr genügten, wurden den Juden, gleichwie es bei den übrigen Bewohnern war, gerne andere Benennungen beigelegt, die von äußerlichen Erscheinungen hergenommen waren oder reine Uebernamen darstellten. Beisätze, die vom Alter oder sonstigen Aeußerlichkeiten herrühren, waren z.B.: Altmaier, Jungmaier, Schwarz-Mottche; ohne Beisatz: Groß (Jud), Weißkopf, Uebel, Wild u. a. So begegnet ein Abraham-r genannt Schieler; ein Gaxerche, wohl wegen seiner schweren Zunge^ ein Jakob genannt Oculi, auch Okulijud oder Ogkelin (1571), weil er entweder auffallend große Augen hatte oder, was wahrscheinlicher ist, Sonntag Oculi mit der Schwalben Ankunft erst wieder in der Stadt erschien. Auch Berufe haben Namen abgegeben; so 1388 Veyfelmann (d. i. einer, der sich auf die Feifei (mhd. vivel), eine Pferdekrankheit, versteht, ein Pferdehändler, der zugleich Pferde heilt2). Aehnlich sind zu beurteilen Namen wie Goldschmidt, Pfefferkorn,. Schnellruefer, Sänger u. a. Eine weitere Gruppe von Namen wird gebildet durch Uebersetzung der fremdartig klingenden hebräischen Namen (so Benedikt „der Gesegnete" für Baruch, Fried für Salomon, Gotthelf für l) u. 2) Andere Erklärungen siehe oben S. 6 ff. Auch sonst weicht unsere Auffassung von der Prof. Miedeis in einigen Punkten ab. D. Herausg.