Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 183)
- Language
- German
- Belongs to
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- Job 1× ep/1005326
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— 159 - 6) Von E. Mosche Chefez erzählt man: Er lebte mit seiner •Gemeinde Zawusch in Unfrieden und wollte Rabbiner in Pinsk werden. Die Pinsker wollten ihn aber nicht anstellen. Darauf kalkulierte er: Wenn die Zawuscher mich nicht gern in Zawusch sehen, aber nach Pinsk wünschen, um wie viel mehr müßten die Pinsker, die mich doch wohl gern in Zawusch sehen, mich nach Pinsk wünschen. 7) Schelichau schel odom kemausau (der Bote ist gleich seinem Auftraggeber [talmudisch]). „Kemausau" läßt auch die Deutung zu: „wie sein Tod." Wer aus Bequemlichkeit sich auf Boten verläßt, kann davon tödlichen Arger haben. 8) Jemand verfaßte einen Kommentar zum „En Ja'akauw" und ließ ihn ganz nahe neben dem Text drucken. Er zeigte ihn einem Sachverständigen zur Begutachtung und der erklärte: „Dein Kommentar kommt der Wahrheit nahe." 9) Zweimal im Jahre pflegt der Genieinderabbiner zu predigen: am Sabbat hagodaul (vor Pesach) und am Sabbat Schuwo (vor Jomkippur). An dem ersten beweist er jedem, daß er eigentlich ein „Goj" ist, dem man das Chomez verkaufen könnte, und am zweiten, daß man um seinetwillen „Kaporaus" schlagen müsse, •d. h. daß er ein Taugenichts ist, nach der Redensart: „Er toig of Kopurois." 10) Drei werden von allen mit Scheu und Ehrfurcht umgeben außer von denen, die mit ihnen ständig beschäftigt sind: der Diener der Chewra kadischa scheut nicht den Toten, der Gabbaj nicht den Zaddik, der Zaddik nicht Gott". [Gegen die Chassidim, wie auch das Liedchen: „Nischt zu dawnen un' nischt zu lernen UnJ dem Boire (Schöpfer) doch nischt zu erzernen, Dieses gehert nischt zu uns Der Rebbe mit die Chassidimlach kennen die Kunst. D. Red.] 11) Jemand kommentierte die Bücher Ijob und Sprüche Salomos und bat eine Autorität um ein empfehlendes Vorwort. Er erhielt es zu Ijob, aber nicht zu den Sprüchen Salomos. Die Erklärung dazu lautete: „Ijob hatte ohnehin soviel Leiden zu ertragen, daß er auch deinen Kommentar noch mit in den Kauf nehmen kann. König Salomo aber hat doch sein Lebenlang nur Glück und Freuden genossen, wozu ihm diesen Schmerz mit deinem Kommentar antun?" 12) Wenn vor Gericht ein Vergleich zustande kommt und eine Partei nicht bezahlen will, sagt man: „Mol welau pora keiilu lau mol", eine Vorschrift für die Beschneidung, wobei aber „pora" im Sinne von „bezahlt" gebraucht wird. 13) Von einem, mit dem niemand Geschäfte machen will, sagt man: „Halleluhu kol zewoow" [aus den Psalmen] — Hunde sollen mit ihm handeln. 11*