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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 154

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 154 (sequence 178)
Language
German
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— 154 — 8. Ein Mann erhielt von seinem Nachbarn, mit dem er nicht in bestem Einvernehmen lebte, eine Einladung zu einer Beschneidungsfeier. Unentschlossen, ob er hingehen solle, da es sich doch um eine Mizwa handelt, oder ob er die Einladung seines Gegners ausschlagen dürfe, fragt er den Rabbi um Rat. „Geht", antwortete dieser, »y&b pH btt E2D m:&.Ä 9. Rabbi Schamschon Wien [Simson Wertheimer] hatte einen Hauslehrer namens David, der ein tüchtiger Talmudist war und auf Empfehlung des R. Schamschon später eine Rabbinerstelle erhielt. R. Schamschon konnte es jedoch nicht über sich gewinnen, seinem ehemaligen Hauslehrer den Titel „Rabbi" zu geben. Er nannte ihn wie zuvor nur David. Das verdroß diesen sehr. Als nun R. Schamschon, auf einer Reise begriffen, über Sabbat in der Gemeinde weilte, wo sein ehemaliger Hauslehrer Rabbiner war, besuchte er diesen und traf ihn mit dem Studium des Traktates Sabbat beschäftigt. Bei der Mischna: ^NICt^D, TfWüWD SHIDPI warf R. Schamschon die Frage auf, warum Rabbi, der Redaktor der Mischnah, nicht das Beispiel pttfCttf gewählt habe. „Der Grund scheint der zu sein", meinte R. David, „weil jift'Et^ nicht „Rabbi" sagen wollte, hat Rabbi auch nicht pt^EtP gesagt." 10. Einer Tochter dieses berühmten Wiener Bankiers Wertheimer sagte der Volkswitz nach, daß sie das Unglück hatte, nur ein Auge zu besitzen. Um sie bewarb sich Berusch Eskeles, Sohn des Rabbiners Gabriel Eskeles zu Metz. Er erhielt auch ihre Hand mit der reichen Mitgift von 70000 Gulden. Die spottsüchtige Welt sagte, daß die Höhe der Mitgift genau den Verhältnissen entspreche pj; nnn pj? [vgl. Kaufmann, S. Werth. 89]. 11. Einer Rabbinersfrau wurde eine Gänseleber zum Kaufe angeboten. Der Rabbiner, der zugegen war, meinte, es würde,einen Chillul Haschern [öffentliches Ärgernis] hervorrufen, wenn es den Gemeindemitgliedern zu Ohren käme, daß er für gute Bissen einen so hohen Preis bezahle. Die Frau Rabbinerin ließ sich dadurch nicht abhalten, kaufte die Leber und bereitete diese mit vollem Kunstverständnis zu. Beim Mahle bekam der Rabbi von der Leber keinen Bissen. Darüber verwundert, stellte er seine * Ehehälfte zur Rede, worauf die gelehrte Rebbezin erklärte: OpED .2~b -ig? pp^in pN cwn b&n wv. 12. Gelegentlich der Aufnahme des berühmten R. Feisch Fischmann als Maggid in Straßburg sagte dieser zu dein damaligen Rabbiner A. S. Schreiber, um ihrem gegenüber seine untergeordnete Stellung zu kennzeichen: „Der Rabbi ist der U2n12D und ich der "l^on m". „Jawohl" bemerkte der Rabbiner, „aber die Gemeinde braucht Hj^'O?pD [Titel eines rabbinischen Werkes; hier: doppeltes Gehalt]. {Oesterr. Wochenschrift 1904 Nr. 18). 13. Als in einer frommen Gemeinde ein sehr reicher Mann, der ihr durch seine Lebensführung keine Ehre bereitet hatte, gestorben war, wollte ihm der Rabbiner anfangs keinen Nachruf halten. Auf

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