Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 177)
- Language
- German
- Belongs to
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— 153 — Jüdische Schnurren. Von Religionslehrer JL. Wiesner, Wien. 1. Ein umherziehender Maggid vermied es, eine Stadt zu besuchen, in welcher jüdische Gelehrte wohnten. Darüber befragt, antwortete er mit parodierender ümkehrung der Bibelstelle (IV. M. 12,29): jrP V31 CWZü "1 Cj; bl? „Wo alle Propheten [hier: Gelehrte, nicht Kapitalisten] sind, wer soll da etwas geben?" 2. Ein Vorbeter bemerkte einst, als es am Schemini azereth nach dem Geschem-Bentschen zu regnen begann, zum Rabbiner: „Sehen Sie, Rabbi, diesen Regen hat mein Gebet bei Gott erwirkt". „Ja", meinte der Rabbi, „wegen solcher Leute ist einst sogar der Mabbul [die Sintflut] gekommen". 3. Ein Am ha-arez [ohne Kenntnisse im jüdischen Schrifttum] pflegte in der Menagerie beim Anblicke des Löwen den Segen zu sprechen: „nVINH" hv ttltf) VnViEZ} UBHp Ein anderer übersetzte die Mischna (Aboth II, 18) in folgender Weise: Wegen dreier Sachen geht der Olam [die Welt, das Publikum] wie auf Nadeln: HDiSn hy bis der Raw bei DOK hält, jHD by) und bei einer rb$W9 bis der Raw sagt ItfiQ oder HEHlO, Cl^H ^1 bis der Raw in der bei nfrw ni^iy hält. Ein anderer betete konsequent anstatt nn*tt2n TD: „meine" nnN12n. Ein anderer betete: "TCflP Kin pmn *\ybyv mm. 4. Ein Rabbiner hatte bei seiner Gemeinde um eine Erhöhungv seines Gehaltes angesucht. In der darüber einberufenen Gemeindesitzung wurde beschlossen, daß eine Erhöhung des Gehaltes nicht bewilligt werden könne. In Anbetracht der Verdienste des Rabbiners werde ihm jedoch zu IDT }Vßb noch ein Stück zuerkannt. Das nächstemal begann der Rabbi mit PHilD crTD&O. Daraufhin erhielt er vom Vorstande seiner Gemeinde ein Schreiben, in welchem ihm der wohlgemeinte Rat erteilt wurde, sich nicht so weit vom nEK zu entfernen. 5. A. Wozu braucht die hebräische Sprache die drei gleichlautenden Schriftzeichen n, t^, D? B. Damit man dir zurufen könne ^ZfcTI TIE ^D2. „Tor, wann wiist du weise werden?" 6. Ein Rabbiner äußerte die Absicht, seine Gemeinde zu verlassen und einer ehrenden Berufung nach Worms aus dem Grunde zu folgen, weil dort der große Raschi gelebt und gelehrt habe. Als ihm aber die Gemeindevorsteher eröffneten, daß sie sich entschlossen hätten, sein Gehalt zu erhöhen, entschloß sich auch der Rabbi zu bleiben. Der Gemeindepräses bemerkte hierauf: Wegen V'ttf"-) wollte der Rabbi weggehen, wegen HlDDin bleibt er." 7. Ein Autor, dem ein Freund sein neuestes Werk eingesandt hatte, revangierte sich durch Übersendung eines seiner Geistesprodukte. Ein anderer Gelehrter, dem dies erzählt wurde, bemerkte spitzig: nnn ]^ (gehört von Ephraim Deinard 1901).