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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 149

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 149 (sequence 173)
Language
German
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— 149 — 63. Branfu mus men trinken! Warum? Weil essen ken men doch dos nit (da es eine Flüssigkeit ist). 64. Ein Trunkenbold (a Schicker) sagte: Ich bin kain Schicker, aderabbe (talmud: grade verkehrt): ich führ' Milchomo [oder: ich Taingl saeh7 oder: amper sach (von empören)] mit'n Branfn (mit dem Branntwein). Ich will, as Branfn soll sain af de Welt wos weniger, deriber (darum) trink ich em (ihn) aus. Zu Seite 132 Nr. 59. [Man kam zu einem Geizhals, für eine arme Braut eine Beisteuer zur Mitgift zu erbitten. Der schlaue Geizhals verstellte sich, als ob er wirklich Hilfe zu leisten geneigt sei und fragte: „Wer ist und womit beschäftigte sich der Chossn?*'' Als er genaue Antwort erhalten hatte, sagte er: Wie kann ich denn eine Unterstützung geben, wenn mir der Chossn (oder der Schiddach) ganz und gar nicht gefällt?"] Er (oder: der Row) schickt em (ihn) ob (ab) durch Lernen dem Marschoj (s. oben S. 132: Sprichwörter Nr. 60). [Es kam ein junger Mann zum Schölisch (Vertrauensmann, bei dem die Mitgift hinterlegt wird), um seine Ndan zu erhalten. Der Schölisch knüpfte, um das Geld länger bei sich zu behalten, mit dem jungen Manne ein talmudisches Gespräch an, machte ihn auf eine Stelle in Tosfos und hernach auf den tiefsinnigen Maharscho dazu aufmerksam, und unterdessen gab er das Geld nicht heraus.] Jüdische Bräuche am Oberrhein. Von Dr. X- HI. Xatltan. In dem soeben erschienenen „Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben" „Um 20 Gulden" von S. Suß Mannheim, der in der Gegenwart, anscheinend am Oberrhein spielt, sind manche Bräuche erwähnt, die mir unbekannt sind und offenbar lokalen Charakter haben. Ich stelle sie im folgenden zusammen. Der Neuverlobte hat am ersten Freitagabend nach der Verlobung das Recht, das Lechoh daudi vom Almemor herab vorzusingen (S. 60.) Am gleichen Abend pflegt der Vorsänger dem Neuverlobten zu Ehren das Gebet "p:D INI "jriD'PD zu singen, anstatt es wie sonst zu rezitieren (S. 65.) Am min nnc&' stehen in der Synagoge auf dem Platz des Bräutigams „sieben Lichter, aus gelbem Wachs vierfach geflochten, reich mit Goldflitter beklebt'*'. Diese Ehrung geht vom Synagogendiener aus „in der stillschweigenden Erwartung, daß dagegen Dank in klingender Münze geleistet werde". Doch sagen die Freunde dem Bräutigam: Das viele Licht soll dir viel Glück in der Ehe bedeuten (S. 66). Der letzte Sabbat vor der Hochzeit heißt Sabbat Spinnholz. An ihm versammeln sich die ledigen jungen Männer und Mädchen gleich nach dem Mittagessen in der Wohnung des Bräutigams der seine Gäste mit Schnäpsen und Likören bewirtet. Man lacht und schreit: „denn Lachen und Lustigsein war ja der einzige Zweck ihres Kommens".

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